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Immerwährendes Recht, 24 Tage im Jahr oder wirtschaftsschädlich? - Ein Recht auf Homeoffice für Alle?

Haben wir ein "Recht auf Homeoffice", wie es nun Arbeitsminister Heil fordert? Er will per Gesetzentwurf jedem Arbeitnehmer ermöglichen, 24 Tage im Jahr von zu Hause aus zu arbeiten. Doch das ist umstritten. André Bochow kommentiert.

Homeoffice spaltet die Arbeitnehmerschaft. Meint der CDU-Arbeits- und Sozialexperte Peter Weiß. Warum wird sie gespalten? Weil die einen zu Hause arbeiten können und die anderen nicht. Deswegen darf es keinen Rechtsanspruch auf Homeoffice geben. Hm. Mal nachdenken. Wenn es keinen Rechtsanspruch gibt und die Büroangestellten aller Art trotzdem nicht davon lassen würden, hin und wieder oder auch öfter den heimischen Küchentisch als Schreibtisch zu nutzen, was wäre dann in Sachen Spaltung anders? Könnten Müllfahrer, Bäcker, Stahlwerker oder Lokführer zu Hause arbeiten? Und was ist mit sonstigen Spaltungen? Will die Union jetzt Einheitslöhne, vielleicht sogar gleichen Lohn für Frauen und Männer? Sollten Bauarbeiter und Bankmitarbeiter regelmäßig die Jobs tauschen, damit alle mal ins Freie bzw. umgekehrt ins Warme kommen? Was ist nur los mit der Union? Wo bleibt die Fantasie? Die SPD will Gesetze für das Arbeiten in den eigenen vier Wänden, müsste da die CSU nicht sagen: Mei, dann sind ja unsere Mütter in den Mütterjahren im Homeoffice. Dann muss es Müttergeldbüroaufschlag geben. Oder wie wäre es mit einer negativen Maut? Wer nicht zur Arbeit fährt, nutzt die Straßen nicht ab und bekommt von Andi Scheuer Geld.

Man könnte also aus dem bisschen Rechtsanspruch richtig etwas machen. Gewerkschaften, Linke oder Grüne wollen aber nur eines. Sie wollen den Anspruch zu einem weitergehenden oder gar ganzjährigen Recht aufblasen. Gerade mit Blick auf die Gewerkschaften erkennt man einen gewissen Übermut. Noch dazu einen unangebrachten. Ein Blick in ihre eigene Geschichte, sollte sie lehren, dass der Organisationsgrad der Heimarbeiter in vergangenen Zeiten jämmerlich war. Homeoffice und Gewerkschaft – das wird auch deswegen für Letztere ein schwieriges Kapitel, weil die eigenen Mitarbeiter dem Wohl der Arbeiterklasse von daheim aus dienen möchten.

Nun ist aber das Recht auf Homeoffice in der Welt. Was tun? Es gibt nur ein Gegenmittel: Die Pflicht zum Homeoffice. Pflicht verdirbt den Spaß.

Wobei, die Situation hatten wir im Frühjahr eigentlich schon. Aber da waren wir geprägt von der Einsicht in die Notwendigkeiten. Pflichtheimarbeit auch ohne Corona – da geht die Laune in den Keller! Es wird Protest geben und die Arbeitgeber werden gütig hin und wieder ihre Arbeitnehmer ins Büro lassen. Dann ist der Spuk ganz schnell vorbei. So macht man das, Herr Weiß.

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Mal ist er eher rasender Reporter, dann wieder der langsame und nachdenkliche Typ, der kleine Geschichten und Beobachtungen zu alltagsphilosophischen Betrachtungen verdichtet. Alle sieben Tage entführt Jürgen Gressel-Hichert in die Welt der Kultur und bringt sie auf seinen Punkt.