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Frauke Thiele schaut besorgt auf die Zeit danach - Corona und die Herbstferien

Heute ist letzter Schultag. Endlich Herbstferien. Aber der Ostseeurlaub, der ist wohl nicht drin. Berlin ist offiziell Risikogebiet, die Infektionsrate pro 100.000 Einwohner liegt bei über 52. Und für Menschen aus Risikogebieten haben sich die Bundesländer gerade auf ein Beherbergungsverbot geeinigt. Sprich: Einreise nur mit frischem Coronatest. Frauke Thiele schaut betroffen auf die Nachrichtenlage.

Wir hatten es befürchtet, um ehrlich zu sein. Und uns doch so doll auf diesen Urlaub gefreut, auf dem Darß, in einem schönen alten Ferienhaus, zusammen mit Freunden und deren Kindern. Den Urlaub haben wir alle bitter nötig. Denn gerade sind unsere Kinder aus einer zweiwöchigen Quarantäne entlassen worden. Eine Mitschülerin war positiv auf Corona getestet worden.

Tja, und schon ist wieder alles ganz anders. Wir werden im Laufe des Tages beraten. Aber eigentlich ist das Ergebnis schon klar: Wir werden nicht fahren können. Einreise nur mit 2-Tage altem Corona-Test und MeckPomm ist sogar noch strenger und will nach 5-7 Tagen noch einen Test oder Quarantäne. Vollkommen unrealistisch. Und wer möchte ernsthaft in Berlin einen Arzt um einen Corona-Test bitten, nur um ungetrübt zu verreisen? Während hustende und schwitzende Menschen vor den Praxen Schlange stehen?

Klar, wir könnten einfach fahren. Der Vermieter des Ferienhauses sieht das locker und wer wird uns schon kontrollieren, in dem einsamen Ferienhaus. Aber entspannt verreisen ist was anderes. Und überhaupt: Ist das der richtige Moment, um zu verreisen? Muss man nicht diese Pandemie in diesem Punkt einfach Ernst nehmen? Aber wem würden wir denn schaden, in einem einsamen Ferienhaus am Meer? Sind wir nicht in Berlin viel gefährlicher?

Man merkt’s: Ich hadere noch. Und In meinem Kopf rattert es hin und her. Genau wie in den Tagen, als wir über die Corona-Infektion in der Klasse unserer jüngeren Tochter informiert wurden. Wer sagt uns, was zu tun ist? Wo bleiben die Anweisungen? Da kam erstmal nichts. Wir mussten selber überlegen, was vernünftig ist und was nicht. Haben entschieden, dass frische Luft im einsamen Park wichtig ist, sie aber nicht zur Geburtstagsfeier gehen lassen, auch wenn das Testergebnis da schon negativ war.

Die Anordnung, was zu tun sei, kam dann am Ende einen Tag bevor die Kinder wieder zur Schule gehen sollten. Ein schlechter Witz! In den Park hätten wir nicht gehen dürfen. Sei’s drum!

Aber beim Reisen ist die Sache schon eindeutiger. Was wir tun müssen, um reisen zu dürfen. ist ziemlich klar. Einen Test machen. Und dass wir das nicht tun werden, nur um zu reisen, auch. Es gibt schließlich Schlimmeres als mal nicht zu verreisen. Aber die Zeit danach, die macht mir Sorgen: Wenn die Schule wieder losgeht, Kinder in die Schule gehen werden, obwohl vielleicht jemand mit Symptomen zuhause liegt und noch nicht getestet ist. Vom Gesundheitsamt als ok befunden. Wenn die eine Schwester in Quarantäne muss, die andere aber weiter zur Schule geht. Alles ganz offiziell. Auch nach dem neuen Stufenplan. Der macht das, was ich die ganze Zeit schon fühle: Ordnung vortäuschen, wo eigentlich Chaos ist. In dem man sich nur auf sich selbst verlassen kann. Ich merke, das sind wir auch nach einem guten halben Jahr Corona immer noch nicht gewohnt. Der Staat regelt es nicht für mich, ich brauche meinen gesunden Menschenverstand. Ich muss selbst denken. Vielleicht wird das irgendwann, am Ende dieser Pandemie, unsere kollektive Lernerfahrung sein.

Frauke Thiele, rbbKultur

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