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Kulturarbeit in Pandemie-Zeiten - Das Goethe-Institut mit neuer Rolle?

Wegen Corona wird weltweit das gesamte Kultureben runtergefahren. Das bekommt auch eine Kulturinstitution wie das Goethe-Institut zu spüren. Wie sieht die auswärtige Kulturarbeit in Pandemie-Zeiten aus? Darüber sprechen wir mit Johannes Ebert, dem Generalsekretär des Goethe-Instituts.

rbbKultur: Herr Ebert, mit was für Einbußen muss das Goethe-Institut denn durch Corona zurechtkommen?

Ebert: Konkret war im März nur noch ein Institut für den Publikumsverkehr geöffnet. Das war in Taipeh. Aufgrund von Corona musste überall sonst geschlossen werden. Aber wir haben in allen Instituten weltweit intensiv digital gearbeitet. Ich bin sehr froh, dass heute über die Hälfte der Institute wieder geöffnet ist und nur etwa 25 % ausschließlich digital arbeiten können. Alle anderen Institute sind für den Publikumsverkehr geöffnet.

rbbKultur: Das heißt, dass zum Beispiel Sprachkurse, ein ganz zentrales Gebiet des Goethe-Instituts, wieder angeboten werden?

Ebert: Nein, aber wir haben im Januar in China geschlossen und die Kollegen haben sofort auf Online-Kurse umgestellt. Wir haben dann sehr viel im Online-Bereich gemacht. Wir waren sehr gut vorbereitet, weil wir uns in den letzten Jahren modernisiert hatten. Aber das war für die Institution natürlich schon eine sehr große Anstrengung. Aber es läuft einigermaßen. Wir haben natürlich finanzielle Einbußen, da etwa ein Drittel des gesamten Budgets des Goethe-Instituts weltweit durch Einnahmen finanziert wird.

rbbKultur: In einigen Ländern wird die Pandemie genutzt, um Freiheiten einzuschränken. Welche Rolle kann da das Goethe-Institut spielen, um Kultur und Kunst vor Ort zu unterstützen?

Ebert: Es war für uns ganz wichtig, im kulturellen Austausch so viel wie möglich und so intensiv wie möglich weiter zu arbeiten. Wir haben ganz spezielle Programme aufgelegt, beispielsweise "kulturama": ein Portal, auf dem Veranstaltungen weltweit, die live gestreamt wurden, eingestellt werden konnten. Mit dem Auswärtigen Amt und einigen Stiftungen haben wir ein Förderprogramm aufgelegt, einen Hilfsfonds für zivilgesellschaftliche Akteure in Kultur und Bildung. Mich freut, dass die Institute jetzt langsam wieder öffnen, wieder Begegnungs- und auch Schutzort werden.

rbbKultur: Die Erfahrungen, die Sie in den Einrichtungen weltweit sammeln, will das Goethe-Institut nun in Deutschland für das neue Arbeitsfeld "Interkulturelle Bildung" nutzen. Was haben Sie da vor?

Ebert: Wir haben insgesamt 157 Institute in über 90 Ländern weltweit. Zwölf davon arbeiten in Deutschland in deutschen Städten, die überwiegend Deutschunterricht und Prüfungen abnehmen. Wir sehen aber, dass die deutsche Gesellschaft immer diverser wird - durch Geflüchtete, durch Fachkräfte-Zuwanderung, aber auch durch weltweite Themen, die man gar nicht mehr rein national diskutieren kann, wie zum Beispiel Migration oder Umweltverschmutzung. Wir arbeiten im Ausland sehr intensiv mit Communities zusammen, die sich jetzt auch in Deutschland wiederfinden. Die Verschmelzung von innen und außen in der Außenkulturpolitik wird immer deutlicher. Und wir glauben, dass wir da Angebote schaffen können, mit denen wir auf die Diversität in der deutschen Gesellschaft positiv reagieren können.

rbbKultur: Was für Angebote können das ganz konkret sein?

Ebert: Beispielsweise hatten wir das spannende Projekt "Mauerspechte". Das war ein digital gestütztes Spiel für Jugendliche, wo es um die deutsche und die koreanische Teilung ging. Man könnte sich aber auch Programme zur aktuellen Diskussion um Kolonialismus vorstellen. Wir hatten in Russland das sehr große Projekt "Respekt", wo man mit Comics an Schulen über Toleranz gearbeitet hat. Dies aus einer internationalen Perspektive in Deutschland darzustellen, damit glauben wir, für die zunehmend diverser werdende Gesellschaft in Deutschland einen positiven Beitrag leisten zu können.

rbbKultur: Da können dann auch die Einrichtungen des Goethe-Instituts quer über den Globus hilfreich sein und mitmischen?

Ebert: Absolut. Weil wir eben mit den Leuten zusammenarbeiten, die jetzt auch hier in Deutschland stärker sind, die ihre eigenen Narrative, ihre eigene Erinnerungskultur haben. Und wir haben über viele Jahrzehnte in der kulturellen Bildung Erfahrungen gesammelt, die Deutschland nützlich sein können.

Das Gespräch führte Anja Herzog, rbbKultur