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Diskussion rund um Corona - Impfen oder nicht?

Großbritannien impft. China und Russland impfen schon lange. Und in Deutschland kann womöglich in wenigen Wochen auch geimpft werden. Eine Impfpflicht wird es nicht geben. Also liegt die Entscheidung bei uns, bei jeder/m einzelnen. Unsere Kommentatorin kam da nochmal kurz ins Grübeln.

Ein kleiner Pieks. Und der Horror hat ein Ende. Klingt super. Man spürt sofort ein inneres Aufatmen, wenn das Impfen in Sicht kommt. Ein Ende der Hilflosigkeit, dieses Gefühls totalen Ausgeliefertseins, ist in Sicht. Mehr noch: Freunde treffen, Kino, Party, Lebensfreude …

Nur noch wenige Male schlafen, dann ist Impftag! Und dann? Auf einmal kommen so ganz kleine Randgedanken reingeschlüpft: Damals in Schweden. Die Schweinegrippe grassiert. Es wird dringend empfohlen, sich impfen zu lassen. Pandremix heißt das Mittel. Ziemlich neu, ziemlich unerprobt. Und heute schlagen sich noch hundert Menschen mit einer chronischen Narkolepsie herum. Soll an einem Zusatzstoff liegen. Nicht lustig, plötzliches Einschlafen mitten am Tag. Man kann nicht mehr Autofahren, nur noch eingeschränkt arbeiten. Was das mit dem Sozial- und Familienleben macht …

Ganz schön neu, diese Impfstoffe. Erprobt kann man das ja nicht gerade nennen. Umfragen zeigen: Es gibt eine ganze Menge Leute, die lieber erstmal abwarten wollen. Nicht nur esoterische Impfgegnerinnen. Sollte ich auch nochmal.

Und schon sind sie wieder weg, die Randgedanken. Ich lege mein Leben in die Hände der Pharmaindustrie. Hier, bitte schön. Das habe ich nämlich schon öfter gemacht. Ich bin in Malariagebiete gereist, einfach so, zum Urlaub machen. Da hab ich erst keine Medikamente genommen, und als der Mückentanz um uns rum zu dicht wurde, dann doch so was, das so halb vorbeugend sein kann – und mal wieder schwere Nebenwirkungen haben kann. Ich habe natürlich auch alle möglichen Tropenimpfungen gemacht, die auch alle möglichen Nebenwirkungen haben können.

Also, Risiko allerorten. Und dann hatte ich vor Jahren mal eine rätselhafte Krankheit, bei der die Schulmedizin nicht mehr weiterwusste. Ich habe übelriechende chinesische Medizin geschluckt, "London-Tropfen" aus dem Internet, ein Zeugs, das "Rechtsregulat" hieß, weiß der Himmel, was da drin war, nur weil eine Freundin meiner Tante drauf schwor – und Verschiedenes andere mehr. Ich schätze, ich bin bei der Pharmaindustrie besser aufgehoben.

Kurz gesagt: Mein Leben ist bisher nicht ohne gesundheitliches Risiko verlaufen – und wird es auch in Zukunft nicht tun. Ich lebe in einer stinkenden Großstadt, trinke Alkohol und habe 15 Jahre meines Lebens schwer geraucht. Ich lasse mich impfen. Ich will, dass das Leben weiter geht. Ich will, dass so viele Leute geimpft sind, dass wir wieder eine halbwegs normale Gesellschaft sein können.

Wer das nicht will, kann ja weiter unter seiner FFP2-Maske schwitzen. Ist ja ein freies Land. Zum Glück.

Heide Oestreich, rbbKultur

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