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Bild: Jochen Tack

An dem Projekt gibt es Kritik - "Broken": Umstrittene Installation zum Thema Gewalt gegen Frauen

Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal im Leben einen Übergriff, jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren Partner oder Expartner. Umso wichtiger, dieser Alltäglichkeit der Gewalt etwas entgegenzusetzen. Das Ziel verfolgt der Künstler Dennis Meseg mit einer Installation. Unter dem Titel "Broken" stehen am Donnerstag 222 Schaufensterpuppen auf dem Potsdamer Platz. Doch an dem Projekt gibt es Kritik: Am Titel, an der Darstellung der Frauen, am Fokus auf die Opfer.
 
Andrea Handels hat mit Kritiker*innen und dem Künstler gesprochen.

Verstümmelt, geschlagen, zwangsverheiratet - solche und ähnliche Worte stehen auf Spruchbändern auf den mit orangefarbenen Flatterband umwickelten nackten Schaufensterpuppen. Wie eine verletzte, anklagende Armee wirken sie, wie sie da aufgereiht im öffentlichen Raum stehen, auf der Kölner Domplatte, auf der Frankfurter Hauptwache, auf der Hamburger Reeperbahn.

Seit dem 24. November, einem Tag vor dem internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen, tourt diese Installation des Bonner Künstlers Dennis Meseg durch Deutschland, Endstation ist am 10. Dezember in Berlin.

Er will die Verletzungen aufzeigen und gleichzeitig mit den Mantras Mut machen. Immerhin ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. Die ursprüngliche Idee für diese Installation kam von der Gleichstellungsstelle Rhein-Sieg. Sie holte Dennis Meseg ins Boot, der schon eine ähnliche Ausstellung mit Schaufensterpuppen zum Thema Corona inszeniert hatte.

Für manche ist die Ausstellung "Broken" zu plakativ. Ein Bündnis von jungen Feministinnen hat sich zusammengefunden und den Protest formuliert. Die Frauen würden hier als gebrochene "broken" Opfer dargestellt, die Täter außen vorgelassen. Und es käme vor, dass Frauen, die die Ausstellung sehen und die Gewalt erlebt haben, wieder traumatisiert würden, es fehle an psychologischer Betreuung. Wobei die Ausstellung durchaus Unterstützung durch Frauenorganisationen bekommt.

Die Organisation Zonta, Mitarbeiterinnen von Gleichstellungsstellen waren in verschiedenen Städten vor Ort, und in Berlin soll Terre des Femmes dabei sein. Der Vorwurf der Aktivistinnen, er würde mit seiner Installation Opfer von Gewalt regelrecht re-traumatisieren, trifft den Künstler Dennis Meseg, aber er lässt ihn nicht gelten. Trotzdem hat er sicherheitshalber auf seine Website zum Projekt den Warnhinweis gesetzt: "Dieser Inhalt ist sehr sensibel und kann für manche Personen verletzend oder verstörend wirken."

Andrea Handels, rbbKultur