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Harter Lockdown ab 16. Dezember - Über Freiheit in Zeiten des Lockdowns

Nun kommt also der erwartete, harte Lockdown. Er kommt nicht unerwartet, aber wenn man die Fülle der Konsequenzen auf einer Liste herunterliest, kommt einem dann doch ein wenig das Gruseln. Muss das wirklich alles sein? Ja, meint André Bochow und fügt hinzu: Es hätte nicht sein müssen.

Was wird das für ein Gerenne heute und morgen. Wenn man nur an die Frisöre denkt! Geschenkepanik wird ausbrechen und natürlich werden doch wieder einige Klopapier und Nudeln horten. Aber dann ist ab Mittwoch Ruhe im Land. Und nur ein, zwei Wochen später werden die Corona-Zahlen schmelzen wie Butter in der Sonne. Weihnachten bleibt der Feierkreis klein und Silvester wird nicht geböllert. Halleluja. Menschenleben werden gerettet, Besinnlichkeit kehrt ein und keiner muss mehr Angst davor haben, das Jahr mit einem von einer Rakete verursachten Brandloch in der Joppe beginnen zu müssen.

Aber zugegeben, mit Freiheit hat das nicht mehr viel zu tun. Wobei, Bundes- und Landesregierungen setzen bislang weitgehend auf Freiwilligkeit. Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit. So interpretierte jedenfalls Friedrich Engels den Philosophen Hegel. Wir würden uns also die Freiheit erhalten, wenn wir nur Einsicht zeigten.

Leider neigen viele von uns dazu, die Freiheit anders zu definieren und sich, wenn keiner einschreitet, vor Glühweinständen im schnatternden Pulk wiederzufinden, die Leck-Mich-Corona-Party zu besuchen und das plötzliche Ableben von Mitmenschen als deren Alter angemessen zu betrachten. Jedenfalls solange man diese Mitmenschen nicht kennt. Dass diese Haltung nicht dazu angezeigt ist, eine Pandemie zu bekämpfen, lernen wir in diesen Tagen und dass man nach dem Tod von der Freiheit nichts mehr hat, sollten wir eigentlich wissen.

Die Corona-Entscheider wiederum hätten wissen können, wie rasch die Infizierten-Zahlen nach oben gehen, wenn es an Konsequenz mangelt. Man hat es ihnen vorgerechnet. Lockdown-Light klingt nicht nur blöd, es ist auch so. Andererseits: Es ist auch für Merkel und Co. die erste Pandemie. Auch die Regierenden lernen. Zum Beispiel: Das Prinzip Hoffnung ist in Sachen Corona das falsche Prinzip.

Und nun? Was ist der Plan? Hart sein, damit man in den Krankenhäusern nicht entscheiden muss, wen man beatmet und wen nicht. Das leuchtet ein. Und was wird nach dem 10. Januar? Durchwursteln bis zur Herdenimmunität? Hoffen auf die Impfungen. Vielleicht doch nichts gelernt?

Machen wir uns nichts vor, die Politik hat keinen Plan. Vielleicht kann sie in dieser Situation keinen haben. Wir müssen den Politikern helfen. Aber vor allem uns. Wir sollten einander tatsächlich aus dem Weg gehen. Das muss man nicht Freiheit nennen. Notwendig ist es aber.

André Bochow, rbbKultur

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