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Bild: Paul Zinken/dpa

Publikumsfestival erst im Juni - Ein Februar ohne Berlinale - was uns fehlen wird

Der nächste Februar in Berlin wird anders - und das liegt nicht am Klimawandel, sondern am Virus: Die Berlinale, die der Stadt in trüber Jahreszeit Glanz verleiht, wird 2021 nicht in der bewährten Form als größtes Publikumsfestival der Welt stattfinden. Als langjähriger Berlinale-Berichterstatter hat sich Holger Zimmer Gedanken darüber gemacht, was ihm und uns dann wohl fehlen wird.

"Die Vorfreude, darauf, dass wir jetzt endlich die Filmschaffenden kennenlernen und begrüßen können auf dem roten Teppich ..."- ach, was war das schön, als Mariette Rissenbeek, die Geschäftsführerin der Berlinale, sich noch so vor-freuen konnte! Jetzt ist Vorfreude passé. Keiner wird kommen im Februar, die Hotels bleiben leer, die Kinos auch.

Die Berlinale bringt Glanz in den Winter

Ein herber Schlag in der Tristesse des Berliner Winters. Denn gerade, wenn es im Februar besonders grau, neblig und trübe war, brachte die Berlinale bisher ein wenig Glanz in die Stadt. Was werden wir also vermissen?

Das Schlangestehen im Nieselregen, um in ein volles Kino zu kommen oder überhaupt noch Karten zu ergattern? Na gut, das bleibt uns jetzt erspart.

(Ton: Schreien) Die Fans vermissen den zwar flüchtigen, aber gefühlt intensiven Kontakt mit ihren Stars. Denn alle die Filmemacher, die Regisseure, die SchauspielerInnen, die Berlin auch im Winter die Ehre gegeben haben, bleiben nun fern.

Keine Limousinen, kein Anstehen im Februar

Was machen bloß diejenigen, die sich jahrelang jeden Februar extra Urlaub genommen haben, um am Potsdamer Platz ein wenig Sternenstaub einzusammeln? Oder wenigstens ein Autogramm, wie in den letzten Jahren ... Nun gibt es weder erste noch dritte Reihe. Der Potsdamer Platz bleibt im Februar so öd wie sonst auch.

Keine Limousinen, keine Fotografen, keine Journalisten-Meute aus der ganzen Welt. Was mir als langjährigem Berlinale-Reporter fehlen wird, ist nicht das tägliche Hetzen von Kinosaal zu Kinosaal. Nicht das Anstehen in großen Trauben mit allen, die auch dringend noch vor der Premiere den neuen Film von Wes Anderson sehen müssen. Und auch nicht die schnell eingeworfenen Imbiss-Happen, um bei Kräften zu bleiben und pünktlich zum Filmstart im Sessel zu sitzen.

2021 im T-Shirt zur Berlinale!

Nein, Mir fehlen die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen.Warum war das neue Werk von Petzold oder Wenders ein Reinfall? Oder doch ganz große Kunst? Diese Diskussionen, die Reibung, das Ringen um Verständnis, das wird fehlen.

Und was mir vor allem fehlen wird, ist ein Moment. Der Moment, wenn im vollen Saal die Gespräche verstummen, das Rascheln aufhört und das Licht verlöscht. Und die Leinwand zum Fenster in die Welt wird.

Der ehemalige Berlinale-Chef Dieter Kosslick brachte es auf den Punkt: alle Lösungen wie Streaming, Online- und Couch-Kino können nicht ersetzen, was Film im Kino ausmacht. Also, nun werde ich es noch mehr als sonst begrüßen, dass der Februar weniger Tage hat als andere Monate – und mich einfach auf den Sommer freuen.

Denn was ich wirklich nicht vermissen werde, ist: mir jedes Jahr ein bis zwei neue Garnituren Schals, Mützen und Handschuhe zu kaufen. Die sind in der Hast der Februar-Berlinale immer wieder in einem merkwürdigen Parallel-Universum verschwunden. Also diesmal im Sommer im T-Shirt zur Berlinale! Ja, das gibt mir Hoffnung!

Holger Zimmer, rbbKultur