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- Die Stabi ist wieder da! Heute ist die Eröffnungsfeier

Heute wird eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt wiedereröffnet: Die Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin, Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Nun wurde dieses monumentale Gebäude vollständig generalsaniert und erweitert. Die Lesesäle sind zwar schon in Betrieb, aber ab 1. Februar lässt sich der gesamte historische Bau erleben. Heute findet die feierliche Eröffnung statt. Was die Besucher erwartet, darüber sprechen wird auf rbbKultur mit der Generaldirektorin, Barbara Schneider-Kempf.

rbbKultur: Frau Schneider-Kempf, Sie haben lange auf diesen Eröffnungstag hingearbeitet. Doch erstmal wird kein Publikum ins Haus dürfen, um sich ein Bild von der wiedereröffneten "Stabi" zu machen. Das ist bestimmt schmerzlich für Sie …

Schneider-Kempf: Ja, das ist schmerzlich. Wir haben auch alles Mögliche im Kopf hin und her geschoben, ob wir das jetzt wirklich machen oder ob wir auf einen Termin im April oder Mai hoffen. Schlussendlich wollen wir damit zeigen: das Gebäude ist fertig saniert und die Zeiten sind, wie sie sind - und damit müssen wir jetzt leben.

rbbKultur: Das Haus war seinerzeit einer der größten Museumsbauten, eine "Kathedrale des Wissens". Die Größe des Gebäudes ist mit dem Reichstag vergleichbar. Was ist das Besondere an diesem Bau?

Schneider-Kempf: Der Bau war zur Eröffnung 1914 einer der großen Bibliotheksbauten der Welt. Es ist schön, wenn man mal einen kleinen Vergleich zieht: Das Gebäude hatte mal einen Kuppellesesaal, der im Krieg weitgehend zerstört und dann nicht mehr aufgebaut wurde. Das Vorbild dafür war die Kuppel über dem Lesesaal in der Library of Congress in Washington. Die gibt es noch und ist viel kleiner, als unsere Kuppel es war.

rbbKultur: Der zentrale Lesesaal ist schon vor einigen Jahren wiedereröffnet worden. Jetzt gibt es auch neue Arbeitsplätze für fast 700 Leserinnen und Leser. Können diese die neuen Plätze auch neu nutzen? Gibt es andere Möglichkeiten als bislang?

Schneider-Kempf: Auf jeden Fall. Den Allgemeinen Lesesaal gibt es natürlich immer noch. Das ist unser zentraler Lesesaal. Aber wir haben darüber hinaus eine ganze Reihe von Sonderlesesälen, die jeweils mit unseren Sonderbeständen, mit unseren Sondersammlungen, korrespondieren.

Ein Beispiel: Es gab keinen dieser Sonderlesesäle bereits. Der sogenannte Rara-Lesesaal steht für rar, selten. Den teilten sich die Abteilungen für die historischen Drucke und die Musiksammlung. Jetzt ist es so, dass die Musikabteilung ihren eigenen Lesesaal hat. Ein weiteres Beispiel: Unsere Abteilung für das Kinder- und Jugendbuch, das wir zu forschenden Zwecken zur Verfügung stellen, war im Westhafen untergebracht und ist jetzt auch umgezogen ins Haus Unter den Linden - auch mit neuen Möglichkeiten. Ähnliches gilt für die Zeitungen, für die Handschriften und für die Karten.

rbbKultur: Und es gibt auch kleine Konferenzräume, wo sich Arbeitsgruppen zusammenfinden können.

Schneider-Kempf: Ja, das ist neu und es ist sehr schön, dass wir diese neue Nutzung noch in die Planung einbauen konnten. Denn als der Wettbewerb entschieden wurde, um das Jahr 2000, da ist es tatsächlich so gewesen, dass man so etwas noch gar nicht gedacht hat. Aber das Interesse ist jetzt da und wir konnten es realisieren.

rbbKultur: Diese Sanierung ist jetzt also geschafft. Ich stelle mir vor, dass da auch eine Last von Ihnen gefallen ist. Allerdings droht jetzt gleich die nächste Sanierung - nun ist der Scharoun-Bau der Staatsbibliothek am Kulturforum dran. Fühlen Sie sich ausreichend trainiert für das neue Projekt?

Schneider-Kempf: Das sind wir, glaube ich. Aber es wird doch einen wirklich entscheidenden Unterschied geben. Im Haus Unter den Linden konnten wir in Baustufen vorgehen. Ich habe immer gesagt, die Baustelle wandert von der Dorotheenstraße zu den Linden. Am Potsdamer Platz wird das nicht möglich sein. Es wird komplett leergezogen werden müssen. Und das heißt, dass das Haus insgesamt für doch eine Anzahl von Jahren geschlossen sein wird.

Das Gespräch führte Anja Herzog, rbbKultur.

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