Der Große Sendesaal des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) im Haus des Rundfunks an der Masurenallee in Berlin nach seiner Renovierung im Juni 2007 (Quelle: rbb/Hanna Lippmann)
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Bild: rbb/Hanna Lippmann

- 90 Jahre Haus des Rundfunks (4): Persönliche Erinnerungen

90 Jahre ist es in diesem Jahr alt - das Haus des Rundfunks, Pionierbau eines damals neuen Mediums von dem Architekten Hans Poelzig. 1957 bezog der neu gegründete Sender Freies Berlin das Haus. Hier schlug das Radioherz des "freien Westen" – in einer geteilten Stadt. Sigrid Hoff hat das Haus des Rundfunks schon als Kind kennengelernt und stand als Mitglied des Kinderchores hier vor dem Mikrofon. Bei einem Rundgang erzählt sie ihre Geschichte mit dem Haus des Rundfunks.

1956, als der Berliner Senat das Haus des Rundfunks in der Masurenallee übernommen hatte, bot es ein Bild der Verwüstung. Die Fenster waren kaputt, die Studiotechnik zerschlagen, der Große Sendesaal Müllabladestelle, im großen Lichthof stand Wasser, das Oberlicht war zerborsten, das Dach undicht. Als ich in den 1960er Jahren das Haus des Rundfunks als Kind betrat, war nach dem Wiederaufbau nichts von der Farbigkeit Hans Poelzigs geblieben. Der Zeitgeist der 1950er Jahre hatte hier seine Spuren hinterlassen. Sigrid Hoff:

"Ich erinnere mich immer noch sehr gerne daran, wie wir in diesen Lichthof kamen, der damals nach dem Wiederaufbau Ende der 1950er Jahre noch ganz anders aussah. Es war ein relativ dunkler Raum, die umlaufenden Galerien waren mit Glasplatten verkleidet und in meiner Erinnerung war er eher grau gestrichen - so wie es auch im Modell im Lichthof aus dem Jahr 1960 zu sehen ist. Es hat einen ganz anderen Eindruck gemacht."

"Zwitscherlinge" und "Singerlein"

Doch als Kinder schenkten wir der Architektur wenig Beachtung, sondern marschierten mit unseren Chorleitern rechts durch das Foyer zum Kleinen Sendesaal, wo die Aufnahmen stattfanden:

"Ich erinnere mich schon noch, wie wir mit großer Ehrfurcht den Kleinen Saal, im Haus Saal Drei genannt, betraten, als Zwitscherlinge oder als Singerlein, Mitglieder im Kinderchor des damaligen SFB und wir uns hier aufstellten. Max Specht und Renate Wostrak, später Boszat, waren die Chorleiter, führten uns hier ein, wir stellten uns auf und sangen etwas, waren natürlich auch sehr aufgeregt, wenn wir es dann wiederholen mussten. Der Saal beeindruckte uns mit seiner Höhe und seiner dunklen Decke, er wirkte immer ein bisschen dunkel - auch mit den Klappentüren, die aus akustischen Gründen eingebaut sind und aufklappbar sind, das wussten wir damals natürlich nicht.

Hier stand ein Flügel, wie jetzt auch, Max Specht begleitete uns am Flügel und dann hieß es: 'Achtung Aufnahme, bitte schneiden, bitte schneiden!' "

Weihnachtssingen

Ich war über die Schule im Alter von 9 Jahren zum SFB-Kinderchor gekommen. Wir probten damals in einer vom SFB angemieteten Villa am Wannsee, dem sogenannten "Klingenden Haus". Hier bereitete Ilse Obrig, die legendäre Begründerin und Leiterin des Kinderfunks, ihre Sendungen vor. Etwa einmal im Monat fuhren wir für Aufnahmen in das Haus des Rundfunks nach Charlottenburg. Dafür gab es jedes Mal ein kleines Taschengeld. Und im Dezember begleiteten wir als Kinderchor die Weihnachtsfeier für die Mitarbeiter.

"Dann standen wir damals hier auf der Ecke - ich weiß noch genau, wo das war - blickten hinunter in den Lichthof auf einen riesingen Weihnachtsbaum, unter dem ein Berg von Geschenken lag. Wir schmetterten Weihnachtslieder als der SFB-Kinderchor, die Kinder der Mitarbeiter, da war ich immer total neidisch, die kamen rein und durften sich Geschenke abholen und es gab Plätzchen und Kakao .Wir kriegten zwar auch Plätzchen, aber die eingepackten Geschenke haben mich doch sehr fasziniert und interessiert."

Ein ungewöhnliches Transportmittel

"Besonders spannend war die Fahrt mit dem Paternoster, das finde ich immer noch ein bisschen aufregend. Man überlegt jedes Mal: wann steige ich ein, wann steige ich aus? Der Paternoster steht unter Denkmalschutz, außen an der Mittelsäule erzählt ein Metallschild, das noch aus dem Jahr 1930 stammt: "Zurücktreten". Jetzt fahren wir gerade oben rüber, man sieht das große Zahnrad, wo die Kette rüberläuft. Es wird kurzfristig ganz dunkel. Mit Herzklopfen haben wir das als Kinder immer gemacht, oder auch später meine Kinder, natürlich in Begleitung. Dann ist man durch das Haus gefahren auf diesem ungewöhnlichen Transportmittel, was einen ohne zu warten durch die Etagen transportiert und bis heute in Betrieb ist.

Das ist so meine Geschichte hier mit dem Haus des Rundfunks, in dem ich immer noch gern ein- und ausgehe.

Sigrid Hoff, rbbKultur

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