Dirck van Loonen: Assueer Jacob Schimmelpenninck van der Oije (1631–1673) mit Diener und Hund, 1660 Öl auf Leinwand, 224 x 185 cm; © Stichting Duivenvoorde, Voorschoten
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Bild: Stichting Duivenvoorde, Voorschoten

Neue Ausstellung mit 110 Arbeiten - Museum Barberini: "Rembrandts Orient"

Immer wieder Turbane und Teppiche, Säbel und Seidenröcke: Künstler des niederländischen Goldenen Zeitalters rund um Rembrandt haben oft Gegenstände aus fremden Kulturen gemalt – dabei aber kaum tiefergehende Anteilnahme am Nahen, Mittleren und Fernen Osten gezeigt. Die west-östliche Begegnung hat nicht auf Augenhöhe stattgefunden. Das Museum Barberini möchte zu einer Reflexion einladen und hat 110 Arbeiten niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts zusammengetragen, darunter Schlüsselwerke von Rembrandt, Ferdinand Bol, Willem Kalf oder Jan Lievens. Maria Ossowski berichtet.

Alle sind zu Hause geblieben, kaum ein Niederländer ist gereist im 17. Jahrhundert. Auch Rembrandt hockte fast immer in Leiden und später in seinem Amsterdamer Atelier und konnte vom Orient nur träumen. Wie so viele Künstler, die jedoch die Handelswaren kannten, die aus Asien oder von der Levante kamen. Ortrud Westheider, die Direktorin des Barberini Museums:

"Die Amsterdamer Bürger haben begonnen, wie früher die Fürsten, so wunderbare Sachen wie Porzellane oder reich bestickte Gewänder oder Krummsäbel zu sammeln und dann haben die Künstler sie in die Stilleben, in die Porträts oder in die biblischen Geschichteneben integriert. Man hatte gar keine Vorstellung von den Kulturen, aus denen sie stammten. Es waren Versatzstücke."

Rembrandt hat all diese Versatzstücke gekannt, so wie auch Erzählungen aus Büchern. Der Orient blieb ein Klischee, das er auch für eines seiner vielen Selbstporträts genutzt hat.

"Wir haben in der Ausstellung einen Kupferstich von Rembrandt, diesen Bekannten, wo er mit einem gezückten Säbel dasteht und sehr grimmig guckt. Ist das nun Selbstironie? Ist das eine Herrschaftsimagination? Vielleicht hat er sich über einen Auftraggeber geärgert und deshalb solch ein grimmiges Bild mit Säbel gemalt. Sowas bleibt Spekulation."

Michael Philipp hat die Ausstellung kuratiert. Im Erdgeschoss und im ersten Stock sind alle Räume im altmeisterlichen Dunkelgrün gehalten. 110 Exponate von über 50 Leihgebern präsentiert das Museum auf 1.000 Quadratmetern. Zum ersten Mal überhaupt zeigt eine Ausstellung das Orientbild der Rembrandtzeit, dieses Goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei.

"Das 17. Jahrhundert war ein Jahrhundert der ersten Globalisierung, und in dieser Zeit entstand auch ein neues Weltgefühl. Die Fremde und das Fremde, das war das positive Andere. Es war eine Modeerscheinung und diese ging einher mit einem neuen Lebensgefühl. Das wiederum hing zusammen mit diesem Wirtschaftswunder ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts, das eine ungeheure Dynamik entwickelt hat."

Bis Indonesien gingen damals die Handelsbeziehungen. Der Reichtum in der Heimat wuchs und viele wohlhabende Leute ließen sich gern in den prunkvollen Gewändern und auf schönen Kissen malen. Vor allem alttestamentarische Themen waren sehr modern. Das berühmteste Gemälde der Ausstellung stammt von Rembrandt und heißt "Simson, an der Hochzeitstafel das Rätsel aufgebend". Die Männer lagern auf kostbaren Stoffen, tragen Turbane und edle Kleider. Genau so, wie sich Europa den Orient vorgestellt hat. Die Kuratorin Dorothee Entrup:

"Seine Meisterschaft im Modellieren von Helldunkeleffekten dramatisiert das Geschehen. Der Betrachter hat das Gefühl, er ist Zeuge eines historischen Moments."

Handel und Krieg, Sammeln und Forschung, Echtheit und Klischee, nach diesen Themen ist die spektakulär schöne Ausstellung geordnet. Sie zeigt, wie eurozentrisch damals der Blick auf fremde Kulturen war. Pittoresk sollten sie sein, voller geheimer Botschaften und herrlicher Preziosen.

Maria Ossowski, rbbKultur