Veras Wörter: Ebend © rbbKultur
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Sprachglosse von Vera Block - Veras Wörter: "Ebend"

Worte sind nicht Schall und Rauch, das wird gerade in den heutigen Zeiten immer wieder klar. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und auf seine Richtigkeit hin überprüft. Das kann anstrengend sein. Es kann aber auch zu neuen Erkenntnissen führen. Unsere Reporterin Vera Block liebt es, über Sinn und Unsinn von Wörtern nachzudenken. Ihr heutiger Favorit: "ebend".

Manchmal kann ich mich über einzelne Wörter aufregen. Zum Beispiel "ebend".

Seit einer ganzen Weile schon wird das Wörtchen "eben" vom plumpen, dumpfen D verschandelt. Ob im Fernsehen oder an der Supermarktkasse – überall ebend! Als ich nach Deutschland kam und die Sprache lernte, gehörte eben zum Grundstock meines Vokabulars. Gut, es war in Süddeutschland, also war es eher "eeeeben", zärtlich langgezogen.

Von einem D am Ende, das klingt, wie ein Sandsack fällt, hörte ich zum ersten Mal erst in Berlin. Ein preußisch D, das vom mecklenburgischen Dassow bis zum brandenburgischen Döbern zum "eben" gehört wie der Essig zum Bismarckhering. Aber warum bloß? Beim Fisch ist's klar – die Säure macht ihn haltbar. Das D im eben macht mich allerdings ungehalten und sauer. Es verpasst einem Wort, dem wohlklingende Gleichmäßigkeit inne wohnt, eine rechthaberische Schieflage.

Für Wahlberlinernde ist dieses "ebend" eigentlich ein Segen – ohne viel Vokabellernen kann man so tun, als ob man die einheimische Schnoddrigkeit beherrscht und dazugehört. Das mit dem Dazugehören scheint übrigens auch der Regierende Bürgermeister für sich entdeckt zu haben. Einer, der eigentlich seine Reden qua Tempelhofer Herkunft durchberlinern könnte. Aber er beschränkt sich öffentlich meist nur auf das "ebend". Volksnah, aber eben nicht zu viel.

Der Duden kennt "ebend" zum Glück nicht. Dafür aber ein gutes Dutzend Wörter, in denen auf "eben" ein D folgt – von "ebenda" bis "ebendortselbst". Demonstrativpronomen. Nützlich, um Nachdruck zu verleihen. Aber viel zu umständlich, wenn man doch nur betonen will. Und hier kommt, vermute ich, "ebend" ins Spiel. Es verzichtet auf die ganzen Anhängsel und bleibt beim gemeinsamen Kern. Sollen doch die emsigen Schwaben rauf und runter definieren, was sie gerade nachdrücklich meinen. Den maulfaulen Nordostdeutschen reicht das Wesentliche. Schlicht wie der Faustschlag auf die Stammtischplatte.

Vera Block, rbbKultur