Deutsche Oper Berlin: Das Rheingold © Bernd Uhlig
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Beginn der "Ring"-Tetralogie - Deutsche Oper Berlin: "Das Rheingold"

An der Deutschen Oper Berlin beginnt morgen die neue Ring-Tetralogie. Nach dem legendären Friedrich-Ring wird der Regisseur Stefan Herheim dieses Mammutwerk von Richard Wagner für die Deutsche Oper inszenieren. Maria Ossowski hat ihn getroffen.

Er stammt aus Oslo, wo er Cello studierte, er liebt Wagners Werke, und er hat bei Götz Friedrich sein Handwerk gelernt. Stefan Herheim, mehrmals zum Opernregisseur des Jahres gewählt, kennt also den legendären Friedrich-Ring an der Deutschen Oper, der ein Vierteljahrhundert das Publikum begeistert hatte. Alle Ähnlichkeiten mit seiner, Herheims neuer Arbeit, seien aber Zufall.

"Wenn Menschen unter einem weißen Tuch stehen, hat man sehr schnell das Eröffnungsbild von Friedrich vor Augen. Das finde ich einfach schön, wenn solche Assoziationen dann wiederkommen. Aber das war nie der Grund, jetzt so exzessiv mit Seide zu spielen, wie wir das in dieser Produktion tun, um da jetzt anzuknüpfen. Nein, gar nicht!“

Wagner ist nie so witzig, schlau und effizient wie im "Rheingold"

Herheim spricht absolut perfekt deutsch und, ja, er findet auch Wagners Stabreime sehr stark, vor allem im Rheingold:

"Ich liebe Deutsch, weil es so eine komplex-vielseitige Sprache ist. Man kann sich auch so doppeldeutig ausdrücken. Humor und Ironie ist nicht immer Wagners Sache per se, das ist ein sehr hämischer Humor, der darin steckt. Wagner tanzt immer um die Schadenfreude herum, keine Frage. Aber ich finde, nirgends macht er das so witzig und schlau und vor allem auch effizient wie im Rheingold."

"Der Ring" ist Endspiel und Anfangszauber

Die Tetralogie um Liebe und Verrat, Götter und Gold, 16 Stunden ohne Pausen, ist Rätsel und Metapher zugleich. Der Ring des Nibelungen kann immer wieder neu gesehen, gehört, bestaunt werden. Er ist Endspiel und Anfangszauber.

"Alle hoffen jetzt nur auf Neubeginn und denken, damit wären alle vorherigen Probleme gelöst. Aber das werden wir früh genug erfahren. Das ist nicht der Fall. Die kommen alle wieder, beziehungsweise sie sind nie verschwunden, die Probleme, die davor da waren, nämlich genau diese Frage: Wer sind wir? Woher kommen wir? Und wohin gehen wir? Und ich glaube, das ist ein Hauptanliegen für Richard Wagner gewesen mit diesem Werk. Er hat es ja selbst ein Kunstwerk der Zukunft genannt. Und ich glaube, diese Zukunft ist noch gar nicht gegenwärtig geworden. Wir sind da nie angekommen."

Generalmusikdirektor Donald Runnicles wurde Chef in Berlin mit seinem Ringdirigat 2007:

"Eine Welt ist zu Ende gekommen, aber eine neue Welt ist dadurch entstanden. Für mich war das die Chance auch mit Stefan mal ganz neu über den Ring zu reden, den Ring neu zu denken."

Ringzyklen mit Hygienekonzept

Mit Corona ist die Ring-Reihenfolge völlig durcheinandergeraten: Erste Premiere war die Walküre, die Siegfried-Premiere fiel dem Lockdown zum Opfer. Kein Publikum im Saal, dazu kam die einzige Coronainfektion im täglich getesteten Orchester. Einen Flötisten hat es erwischt. Intendant Dietmar Schwarz:

"Die Virologen sagen, die Flöte sei das gefährlichste Instrument, weil es die meiste Verbreitung hat. Wir haben das Orchester nach Hause geschickt und die Voraufführung mit Klavier gemacht. Danach wurden dann die Kolleg*innen im Umkreis in Quarantäne geschickt, die anderen alle nochmal getestet. Im Ergebnis war es dann so, dass er niemanden angesteckt hat."

Das Hygienekonzept des täglichen Testens, seit Monaten zu allen Proben Pflicht, hat also gewirkt. Am Samstag wird das Publikum im Schachbrettmuster sitzen, die Riesen werden Walhalls Burg bauen und alle werden hoffen, dass sie die kompletten Ringzyklen im November und Januar ohne Pandemieängste genießen können.

Maria Ossowski, rbbKultur

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