Die Berlin-Ausstellung im Humboldt Forum "Berlin Global" wird bei einem Pressetermin vorgestellt. Hier tanzt eine Frau in einer Klanginstallation; © dpa/Jens Kalaene
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Gespräch mit Paul Spies vom Stadtmuseum - "Die 'Berlin Global'-Ausstellung will innovativ sein und neue Elemente von Ausstellungs-Technik zeigen"

Lang genug hat es gedauert, bis das Humboldt Forum am 20. Juli auch innen eröffnet werden kann. Die Ausstellung "Berlin Global" des Stadtmuseums Berlin und der Kulturprojekte Berlin ist schon eine ganze Weile fertig aufgebaut. Wir sprechen mit Paul Spies, dem Direktor der Stiftung Stadtmuseum, über Geduldsproben, Vorfreude und seine persönlichen Highlights.

Paul Spies zu gast im kulturradio; Foto: Gregor Baron
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rbbKultur: Herr Spies, die Eröffnung Ihrer Ausstellung "Berlin Global" findet nun doch sehr viel später als ursprünglich gedacht statt. Hatten Sie Sorge, dass sie so ganz allmählich etwas anstaubt?

Spies: Ja, schon ein bisschen. Es ist eine Ausstellung, die versucht, innovativ zu sein und neue Elemente in der Ausstellungstechnik zu zeigen. Wir haben lange darüber nachgedacht, entwickelt – dann will man es auch zeigen können. Und wenn man nicht aufpasst, dann ist es schon wieder altbacken. Das wird nicht so schnell passieren, aber etwas Angst hatte ich schon davor. Man hat einen Spannungsbogen, man arbeitet vier Jahre lang an etwas, und dann dauert es wegen Corona und aufgrund von Bauverzögerungen mehr als fünf Jahre – da muss man durchhalten.

rbbKultur: Was Sie jetzt ausstellen werden, klingt absolut nicht altbacken! 4.000 Quadratmeter stehen Ihnen zur Verfügung – es geht um Berlin, es geht um die wechselwirksamen Verbindungen der Stadt mit der ganzen Welt. Es gibt sieben Themenräume: Freiraum, Revolution, Grenzen, Krieg, Vergnügen, Mode, Verflechtung. Außerdem gibt es ein 360°-Urban Art-Wandbild – alles ist sehr umfangreich und interaktiv. Die Devise lautet: spüren, entdecken und mitmachen. Wie funktioniert das denn genau?

Spies: Wenn man möchte, bekommt man am Anfang ein Armband. In diesem Armband befindet sich ein Chip – ab dann beginnt eine interaktive Tour. Man kann die Tour auch ohne Armband genießen, aber das Schöne ist, dass wir versuchen, die Besucher*innen nach ihrer Meinung und Haltung zu den großen Themen der Zeit im internationalen Sinne zu befragen.

Im Humboldt Forum befinden wir uns ja in einem Kontext mit den Weltkulturen: Wir sind im ersten Stockwerk, im zweiten und dritten Stockwerk befinden sich das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Wir wollen darauf anspielen, dass man sich in Berlin Gedanken über eine internationale Geschichte macht: Wo kommen die Sachen, die Leute, die Geschichten her?

Nicht alles ist pur Berlin. Aber in Berlin passiert etwas: Was sind die Berliner Geschichten im internationalen Aspekt, die weltberühmt geworden sind? Der Freiraum in dieser Stadt, aber auch Grenzen, Kriegsgeschichte und Vergnügen. Wir möchten klarmachen, dass dieser melting pot Berlin immer eine internationale Orientierung hatte und auch, dass diese Stadt Einfluss genommen hat auf die Welt.

Sie als Besucher*in stellen sich bestimmte Fragen: Wie ist meine Haltung zu Grenzen heute? Wie ist meine Haltung zu einer Stadt, die versucht, Freiraum zu behalten bzw. diesen verliert, weil diese Stadt so populär geworden ist?

Am Ende der Tour bekommt man dann eine Auswertung und man kann, wenn man möchte, mit geschultem Personal über bestimmte Themen ins Gespräch kommen.

Das Humboldt Forum ist ein Forum und kein klassisches Museum. Wir möchten gerne aktive Gäste haben. Ich weiß auch, dass junge Gäste gerne aktiv werden und auch gerne ins Gespräch über große Themen der Zeit kommen. Daher kommt jetzt diese Ausstellung, die versucht, etwas zu tun.

rbbKultur: Wenn ich zum Beispiel den Themenraum Grenzen aufsuche – was finde ich da?

Spies: Man sieht ein paar Objekte, die mit der Geschichte von Grenzen in dieser Stadt zu tun haben. Es gab im 18. Jahrhundert schon eine richtige Grenze, die sogenannte Akzise-Mauer, um Menschen rauszuhalten, die die Stadt nicht wollte bzw. drin zu behalten, wie z.B. Dissidenten des Militärs. Aber das ist Geschichte. Und nachdem wir natürlich auch über die Berliner Mauer gesprochen haben, geht es auch darum, wie in Berlin Grenzen in Afrika gemacht wurden – auf der sogenannten Westafrika- bzw. Kongokonferenz.

Wir möchten Grenzen von heute zeigen. Was gibt es eigentlich heute noch für Grenzen? Das sind manchmal ungedachte Grenzen: Es gibt noch immer Grenzen zwischen Ost und West, es gibt Barrierefreiheit – oder eben nicht, es gibt Ausgrenzungen bestimmter Gruppen etc.

Wir fordern die Besucher*innen unserer Ausstellung dazu auf, sich Gedanken über die Grenzen von heute zu machen. Wir sind noch nicht frei von Grenzen und wir haben noch etwas zu schaffen.

Das Gespräch führte Anja Herzog, rbbKultur. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung. Das ganze Gespräch können Sie als Audio nachhören.

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