Der Morgen; © rbbKultur
Bild: Kulturprojekte Berlin und Stiftung Stadtmuseum Berlin/Alexander Schippel

Eröffnung des Humboldt Forums - Was ist ab heute im Humboldt Forum zu sehen?

Mit sechs Ausstellungen geht das Humboldt Forum heute an den Start. Mit dabei unter anderen die Berlin-Ausstellung "Berlin Global", die Kinderausstellung "Nimm Platz!" und die Sonderausstellung zu Elfenbein "schrecklich schön". Andrea Handels mit einem Ausblick, was nach der feierlichen Eröffnung ab heute Nachmittag im Humboldt Forum zu sehen ist.

Es steht an prominenter Stelle Unter den Linden gegenüber dem Berliner Dom und ist schon seit Dezember fertig: Das über 40.000 Quadratmeter große Humboldt Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss, mit drei barocken und einer schlichten modernen Fassade. Ab heute kann zum ersten Mal das Publikum hinein und den Bau sowie die sechs ersten Ausstellungen in Augenschein nehmen.

Erste Schätze des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst - mit Diskussionsbedarf

Die Besucherinnen und Besucher, für die bisher nur der historische Schlüterhof mit seinen Balustraden-Skulpturen und eine Passage offen war, werden zum ersten Mal das hohe Foyer mit seinem Kassetten-Glasdach, dem Medienturm und dem barocken Eosanderportal betreten können. Hinter den nüchternen Seitenwänden sind im zweiten und dritten Obergeschoss schon die berühmten Großobjekte des Berliner Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst eingezogen, darunter das wegen seiner Herkunftsgeschichte umstrittene Luf-Boot aus der Südsee und mehrere asiatische buddhistische Kulthöhlen.

Diese Schätze, um deren Provenienz aus kolonialen Zusammenhängen es noch viel Streit und Diskussionen gibt, werden allerdings erst ab September schrittweise zu sehen sein.

"Berlin Global" - die größte Ausstellung in sieben Themenräumen

Was aber nun zu sehen ist, ist auch schon eine ganze Menge: Die größte der sechs aktuellen Ausstellungen ist "Berlin Global" über Berlin und die wechselseitigen Verbindungen und Vernetzungen der Stadt mit der übrigen Welt, historisch und aktuell. Die 4.000 Quadratmeter große Ausstellung ist in sieben Themenräume aufgeteilt zu Themen wie Grenzen oder Krieg aber auch Vergnügen oder Freiraum, mit vielen Medienstationen. Zum Einstieg gibt es ein 375 Grad großes schrill-buntes Wandbild der Urban Art-Künstler How and Nosm, frei assoziiert zu den Brüdern Wilhelm und Alexander von Humboldt.

Spitzenforschung im "Labor" der Humboldt-Universität

Die Humboldt-Universität ist ebenfalls ins Humboldt Forum eingezogen, mit ihrem Humboldt Labor. Dort soll dem Publikum Berliner Spitzenforschung nahegebracht werden. Die erste Ausstellung hier heißt "Nach der Natur. Wie hängen Klimawandel, Artensterben und die Krise der Demokratie zusammen?" und ist eine Art Wunderkammer-Ausstellung mit vielen Schaukästen. Wenn man hineinkommt, sieht man erstmal einen riesigen virtuellen bunten Fischschwarm auf einem Vorhang, der auf die Besucher reagiert. Die Fische fliehen in Panik, wenn die Besucher*innen schnelle Bewegungen machen.

Eine interdisziplinäre Elfenbein-Schau, eine Ausstellung für Kinder und zu den namensgebenden Brüdern von Humboldt

Bei der interdisziplinären Schau "Schrecklich schön. Elfenbein - Mensch - Elefant" sieht man, was für einen Einfluss der Mensch und seine Gier nach Elfenbein durch die Jahrhunderte auf die Elefanten hatte.

Auf Kinder ab drei Jahren wartet die schöne, wilde Kinderausstellung "Nimm Platz!" über die Kultur des Sitzens weltweit. Über die namensgebenden Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt informiert eine Treppenhaus- und Schaufensterausstellung.

Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes - samt historischer "Spuren"

Außerdem öffnet die Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes im Humboldt Forum. Die ist sowohl im archäologischen Keller mit unter anderem Fundamentresten des Dominikanerklosters, das dort einmal stand, als auch im ganzen Haus verteilt - mit sogenannten Spuren wie zum Beispiel den Lampen aus dem an dieser Stelle abgerissenen Palastes der Republik.

Ein Forum - auch für Kritik

Der Abriss des Palastes der Republik ist auch eines der Themen, die die Gegner des Humboldt Forums immer wieder auf den Tisch bringen, es gibt sogar jetzt eine Initiative zu dessen Wiederaufbau, die heute bei der Eröffnung präsent sein will.

Anlass zur Kritik ist auch der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit Preußens. Generalintendant Hartmut Dorgerloh versucht, die Gegner und Kritikerinnen mit ins Haus zu holen und gibt den vielfältigen und diversen Künstlerinnen und Künstlern Berlins viel Raum. Denn schließlich versteht sich das Humboldt Forum nicht nur als Museum, sondern vor allem auch als Forum.

Andrea Handels, rbbKultur

Mehr

Der Morgen; © rbbKultur
rbbKultur

Verschiedene Ausstellungen - Das Humboldt Forum lädt ein

Seit das Humboldt Forum Ende Juli seine Türen für das Publikum geöffnet hat, sind immer mehr Ausstellungen zu sehen. In unserer Reihe "Ein kritischer Rundgang durch das Humboldt Forum" nehmen wir Sie mit in verschiedene Bereiche des Gebäudes - etwa zur indischen Kunst, in den Bootssaal und zur Höhle der 16 Schwertträger. Unsere Foto-Galerie gibt Einblicke in die Ausstellungen, dazu Videos und Audios zur Geschichte des Stadtschlosses und zur Diskussion über Raubkunst.