Humboldt Forum – Ost- und Nordfassade; © Giuliani/Von Giese
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Bild: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss/Alexander Schippel

Eröffnung des Humboldt Forums - Die Umgebungsgestaltung des Humboldt Forums

Ein neuer Stadtraum soll das Humboldt Forum mit seinem Schlüterhof, der Passage und den Terrassen zur Spree hin sein. Dazu gehört auch, wie es sich zur Umgebung hin präsentiert. Unser Architekturkritiker Nikolaus Bernau findet die Außengestaltung des Humboldt Forums alles andere als gelungen.

Nikolaus Bernau; Foto: Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf

Eine der städtebaulichen Schandtaten des 19. und 20. Jahrhunderts war die sogenannte "Freilegung" von Kathedralen, Schlössern und anderen wichtigen Bauten. Ihnen wurde die historische Umgebung regelrecht weggerissen, damit sie monumentaler wirkten. Der Freilegung fielen 1895 auch die alten Bürgerhäuser der Berliner "Schlossfreiheit" zum Opfer, die zwischen Schloss und Kupfergraben stand. An ihrer Stelle wurde das Monumentaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. errichtet.

Warum erinnere ich an diese Geschichte? Weil die neue Umgebungsgestaltung des Humboldt Forums mit seinen nachgebauten Schlossfassaden selbst für Berliner Verhältnisse ein großes Ärgernis ist. Der Schlossplatz hin zum Staatsratsgebäude ist eine weite, von Kleinsteinpflaster geprägte Ödnis mit Steinbänken und schmucklosen Lichtmasten. Das hat den Charme eines Lastwagenabstellplatzes.

Die Spreeseite vor der schwerfällig-spätmodernistischen Ostfassade des Humboldt Forums zeigt gewaltige Kaimauern, steile Treppen, eine einsam vor sich hin wehende Trauerweide. Was hätte hier doch für eine schön breite Sitztreppe entstehen können - stattdessen gibt es eine Terrasse, die nur eins ist: leer.

Die Nordseite mit Blick auf den Lustgarten ist zwar noch nicht fertig. Sie zeigt aber jetzt schon, wie sehr der Baukörper der einstigen Schlossapotheke fehlt. Er gab einst – genau wie die Häuser der Schlossfreiheit – dem Schloss die städtische Proportion und schloss zugleich den Lustgartenraum zur Spree hin ab. Jetzt stehen hier einige Bäume, unter denen Sessel zur Ruhe einladen. Direkt neben der lauten Karl-Liebknecht-Straße.

Vor den Schlossfassaden sollen schmale Gärten entstehen. Sie würden zwar die auch hier herrschende Kleinstein-Ödnis begrenzen. Aber der erste Abschnitt erscheint wie ein Naturgärtner-Witz: Wild wachsende Kräuter und Gräser sowie ausgesprochen scharfblättrige Hecken vor barocker Architektur. Wirkt sehr antibarock. Immerhin, Bienen und Hummeln scheints zu freuen.

Kommen wir zur Westseite. Wie gesagt, seit der Zerstörung der Bürgerhäuser 1895 herrschte freie Sicht auf das Schloss, seit 1948 ist sie noch freier. Die DDR ließ damals das Kaiserdenkmal Wilhelm I. abreißen. Nur der Sockelbau hat die Zeiten überstanden - bisher. Derzeit wird er aufgebohrt für die goldene "Einheitswippe". Um diesen Polit- und Erinnerungs-Nippes zu errichten, hat der Bundestag die einzigartige Gelegenheit ausgeschlagen, die Bürgerhäuser der Schlossfreiheit neu entstehen zu lassen. Statt die Freilegungsmanie zu korrigieren, wurde sie verstärkt.

Wir werden uns auch daran gewöhnen. Aber machen wir uns nichts vor: Würdig ist das alles genau so wenig wie angemessen, schön oder gar historisch korrekt. Es ist einfach nur – pflegeleicht.

Nikolaus Bernau, rbbKultur

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