Veras Wörter: Mauscheln; © rbbKultur
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Sprachglosse von Vera Block - Veras Wörter: "Mauscheln"

Worte sind nicht Schall und Rauch, das ist klar. Vor allem, wenn man über eine Sprache nachdenkt, die nicht die eigene Muttersprache ist, können Wörter Befremden auslösen, aber auch zu neuen Erkenntnissen führen. Vera Block liebt es, über Sinn und Unsinn von Wörtern nachzudenken. Ihr heutiger Favorit: "Mauscheln".

Manchmal kann ich mich über einzelne Wörter aufregen. Zum Beispiel "Mauscheln".

Dieses Wort hat mich unangenehm überrascht. Enttäuscht.

Für Menschen, die wie ich Deutsch erst als Erwachsene gelernt haben, gibt es in der lieb gewonnen neuen Sprache oft besondere Wörter. Preziosen. Lexikalische Schmuckstücke, die man im Gespräch funkeln lässt. Um, nun ja, vielleicht etwas eitel zu zeigen, wie üppig ausgestattet der eigene Wortschatz doch ist. Nach all den Jahren des Vokabelnpaukens.

Mauscheln war für mich auch so ein Wort. Es ist ja auch lautmalerisch hübsch. Es hat etwas von Mäuschen, die in den Ecken mit den geklauten Körnern und Papierfetzen rascheln. Ein Bild, das für mich auch zur Bedeutung von Mauscheln passte: undurchsichtige Geschäfte im Halbdunkel. Und es klang immer etwas Verachtungsvolles mit. Ein Wort wie ein Urteil.

Und dann – es war im letzten Jahr – kam die Enttäuschung. Das Wort Mauscheln, sagte man mir, sei antisemitisch. Judenfeindlich. Kurz darauf wusste auch ich, was anscheinend ein offenes Geheimnis der deutschen Sprache ist und sogar in einem ausführlichen Wikipedia-Artikel erläutert wird: Mauscheln, ein Wort aus dem 17. Jahrhundert, ein Zeitgenosse der deutschen Aufklärung also, stammt vom Namen Mosche oder Moses. Es ist eine Schmähung. Anfangs der jiddischen Sprache, der jüdischen Händler und später der jüdischen Menschen an sich.

Ein Wort, das Vorurteile schürt, um allgemeingültige Verbrechen zu benennen. Ich ärgerte mich, dass ich der lautmalerischen Verschleierung auf den Leim gegangen war. Dass mein Sprachgefühl den faulen Zauber nicht früher erkannte.

Und beschloss, künftig intrigieren zu sagen, wenn ich das meine und betrügen, wenn es darum geht, mauscheln nicht mehr zu nutzen. Meinen Wortschatz sozusagen zu entlausen. An meiner Liebe zur deutschen Sprache ändert dieser Umstand nichts. Sie ist vielleicht ein wenig wie Affenliebe geworden: sie pulen Ungeziefer aus dem Fell ihrer Geliebten. Und ich befreie mein Deutsch von Sprachläusen.

Vera Block, rbbKultur

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