Der Morgen; © rbbKultur
Bild: imago-images/Christoph Hardt

Bundestagswahl 2021 - Kulturwahlkampf (3): Welche 'Kulturlandschaft' haben die Parteien vor Augen?

Noch drei Tage bis zur Wahl. Und wir stellen hier auf rbbKultur nochmal die ganz naheliegende Frage: welche Rolle spielt eigentlich die Kultur? Dafür hat sich Kirsten Dietrich die Wahlprogramme der Parteien angeschaut, die zur Zeit im Bundestag vertreten sind, mit kultur-kritischem Blick. Und der wird in dieser letzten Folge noch einmal ganz konkret: Was genau zählt für die Parteien zur Kultur? Ein weites Feld – von Volkstanz bis Drogen. Eine Betrachtung von Kirsten Dietrich.

Film. Film ist wichtig und die Referenzgröße, wenn es darum geht, was denn nun konkret unter Kultur zu verstehen ist. Alle reden über Film. Über seine Wirtschaftskraft – naja, die betonen manche mehr als andere. Über ressourcenschonendere Filmproduktion – das wollen CDU/CSU wie Grüne. Nur die AfD wettert – reichlich verklausuliert – einzig gegen Quotenregelungen für mehr Diversität.

Games – Computerspiele – nicht alle haben diese Kulturform im Blick. Für die SPD sind Spiele Kulturgut, für die CDU/CSU vor allem Wirtschaftsfaktor, bei den Grünen fördern sie als E-Sport soziale Kompetenzen.

Die FDP redet von der Kulturnation. CDU und AfD zusätzlich von der deutschen Sprache. Die CDU will sie fördern und wertschätzen, die AfD sie gar als Staatssprache ins Grundgesetz heben. Ohne Genderstern natürlich und auch nicht als sogenannte leichte Sprache – die sei nur was für die, die sie nötig haben.

Volkstanz, Brauchtum und Folklore – das liegt sowohl CDU/CSU als auch der AfD am Herzen. Die Linke und die Grünen wollen stattdessen lieber die Clubkultur bewahren. Das bildet vielleicht politische Differenzen ab – vielleicht aber auch einfach die angenommene Altersstruktur der potentiellen Wähler und Wählerinnen.

So konkret wie die Linke beim Finanziellen ist keiner: die Idee vom monatliche Corona-Krisengeld für gebeutelte Kulturschaffende – 1.200 Euro – teilt sie mit den Grünen. Dazu kommen gerechtere Honorare, bessere Absicherung in allen Bereichen des Kulturbetriebs und 3% öffentlicher Baukosten für Kunst am Bau. Die FDP dagegen versteht unter Kulturschaffenden eher von Gesetzen strangulierte Kunsthändler und Sammlerinnen, die würden von bestehenden Regelungen wirklich zu arg eingeschränkt im Handel – der hier kultureller Austausch heißt.

Auch andere Parteien haben Orchideen im Kulturwahlprogramm: Spezialthemen, die nur sie im Blick haben. Bei CDU/CSU sind es Sorben, Friesen, Dänen und Sinti und Roma – also, die deutschen Sinti und Roma – alle Teil der kulturellen Vielfalt. Die AfD tritt gegen die Schmähung des deutschen Kaiserreichs auf – das sei nämlich kein rückständiger Unrechtsstaat gewesen. Die Grünen reden unerwartet ausführlich über die Auswüchse des Profifußballs und Doping, die Linke außerdem noch über Religion und eine weniger restriktive Drogenpolitik – alles unter dem Label Kultur.

Und schließlich: die Erinnerungskultur. Sie ist die Kür im Kulturwahlkampf. Jede der im Bundestag vertretenen Parteien hat dazu einen Abschnitt im Wahlprogramm. Mal werden Aufarbeitung des Nationalsozialismus und Aufarbeitung der SED-Herrschaft in einem Atemzug genannt – bei FDP und CDU/CSU –, mal getrennt mit unterschiedlichen Schwerpunkten – bei SPD und Grünen. Bei der Linken soll das Gedenken, wenig überraschend, – Zitat – der Geschichte beider deutscher Gesellschaften und Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg – Zitat Ende – gelten. Die AfD raunt – noch weniger überraschend – statt von Nationalsozialismus von den "Tiefpunkten unserer Geschichte" und will lieber auf die Höhepunkte schauen.. Parteien und Kultur – beim Thema Gedenkkultur konkretisieren sich ihre Vorstellungen wie in einem Brennglas.

Kirsten Dietrich, rbb

Mehr