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Bild: Staatliche Museen zu Berlin / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Foto: Alexander Schippel

Eröffnungstage im Humboldt Forum - Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst präsentieren sich neu

Seit 2017 sind das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem geschlossen. Gestern wurden sie im Humboldt Forum feierlich eröffnet und sind ab heute für das Publikum zugänglich. Wir sprechen mit Lars-Christian Koch, dem Direktor für die Sammlungen im Humboldt Forum - der uns einige seiner persönlichen Höhepunkte in den Ausstellungen verrät. Bis Sonntag gibt es im Rahmen der Publikumstage freien Eintritt - nur ein Zeitfenster muss online gebucht werden.

rbbKultur: Herr Koch, was für ein Gefühl war das gestern für Sie, nach vier langen Jahren endlich wieder Ihre Sammlung eröffnen und zeigen zu können?

Koch: Zum einen ein großes Gefühl der Erleichterung, aber gleichzeitig auch ein Gefühl der Aufbruchstimmung. Wir haben noch einiges vor uns – das ist erst etwas mehr als ein Drittel dessen, was wir dann im nächsten Jahr im Humboldt Forum zeigen werden. Aber auch das ist schon sehr viel und sehr umfangreich. Die gesamten Inhalte, die wir präsentieren, erscheinen in einem neuen Kontext.

rbbKultur: In den vergangen vier Jahren wurde auch schon über den Umgang mit dem kolonialen Erbe diskutiert. Die Diskussion ist lange noch nicht zu einem Ende gekommen. Wie haben diese Debatten Ihre eigene Arbeit beeinflusst?

Koch: Erstmal ist es sehr positiv, dass wir jetzt in der Mitte Berlins sind und diese Debatten auch stärker in die Öffentlichkeit kommen und durch die Diskussion um das Humboldt Forum ja auch schon kamen. Für uns war es etwas, das unsere Arbeit natürlich beeinflusst, aber nicht komplett geändert hat.

Im Bereich Kolonialismus ist in der Ethnologie ohnehin schon seit Jahren stark geforscht worden. Wir sind auch schon in der Zeit in Dahlem sehr aktiv mit den Herkunftskulturen in Kooperation gewesen, aber das Humboldt Forum hat die Möglichkeiten deutlich erweitert.

rbbKultur: Welchen Einfluss hat es auf die Auswahl, die wir jetzt sehen können, genommen?

Koch: Es hat Einfluss genommen darauf, dass wir gemeinsam mit Herkunftskulturen Objekte ausgesucht haben. Dass wir sie in der Form präsentieren. Das können Sie sehr gut im Bereich Namibia sehen. Dort wird sehr deutlich, wie wir mit den Kollegen vor Ort in Namibia gearbeitet haben und dann zum Entschluss kommen konnten, keine Objekte direkt auszustellen, sondern die Forschung dazu.

In anderen Bereichen gehen wir sehr transparent damit um, unsere Bestände zu zeigen. Das heißt, die Objekte, die Sie im Humboldt Forum sehen, sind dann auch mit dem jetzigen Forschungsstand digital abrufbar. Wobei man sagen muss, dass der Forschungsstand noch längst nicht abgeschlossen ist – gerade, wenn es um die Provenienzforschung geht. Das wollen wir in den nächsten Jahren sehr positiv und sehr offen mit einer sehr viel stärkeren internationalen Kooperation angehen.

rbbKultur: Was sind Ihre ganz persönlichen Höhepunkte? Was sollten wir uns unbedingt anschauen?

Koch: Erstmal würde ich jetzt davon ausgehen, dass wir eine komplette Linie durchgezogen haben und gleichzeitig eine Vielheit präsentieren. Da muss ich einige Punkte herausgreifen, die sehr klar sind: Die Studiensammlung ist immer ein Highlight, weil Sie die Vielfalt mitbekommen. Dann Räume wie der Kuppelraum (Seidenstraße) im dritten Obergeschoss und natürlich der Wang Shu-Raum im Museum für Asiatische Kunst.

Etwas, was mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist der Hörraum im zweiten Obergeschoss, wo wir die Möglichkeit haben, immaterielles Kulturgut - Tonaufnahmen - auszustellen und präsentieren zu können und auch sehr offen damit umgehen zu können.

Ozeanien sollten Sie sich unbedingt ansehen. Die Vielheit dieses enorm weiten Bereichs von Kulturen ist in der Ausstellung sehr intensiv erfahrbar.

rbbKultur: Deshalb lautet das Motto der Publikumstage sicher auch "Begegnungen in Vielheit". Was haben Sie da konkret geplant?

Koch: Die Vielheit hat für in der Weise Vorrang, dass wir multiperspektivisch, aus wirklich unterschiedlichen Blickpunkten, auf die Sammlung, auf die Objekte, aber vor allem auf die Kontexte schauen. Da gibt es dann Formate wie "Begegnungen.Mitreden", wo mit Expert:innen diskutiert werden kann, wie die Sammlungspräsentationen sind und wie sie werden sollen.

Es gibt das Format "Begegnungen.Zuhören" – dort wird präsentiert, wie unsere Partner vor Ort, die Nachrichten gesendet haben, die vorher aufgenommen wurden, mit den Sammlungen umgegangen sind und was sie in Zukunft erwarten.

Im Bereich "Begegnungen.Digital" gibt es die "Impossible conversation" - unmögliche Konversation - mit Leuten, wo man denkt: das kann eigentlich so nicht funktionieren. Es funktioniert dann doch.

Wir haben Familienprogramme – und das ist etwas, was uns auch sehr wichtig ist: die gesamten Bereiche der Vermittlung, die genauso vielfältig sein sollten wie die Ausstellungen.

Das Gespräch führte Andreas Göbel, rbbKultur. Es handelt sich um eine redigierte Fassung.

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