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Kindertag auf rbbKultur - Wie es ist, heute Kind zu sein

Was bedeutet es eigentlich, heute Kind zu sein? An welcher Stelle in der Gesellschaft kommen Kinder? Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen? Wovon träumen sie? Diese Fragen haben wir der 17-jährigen Berliner Schülerin Helene Deggau gestellt.

Manchmal wünsche ich mir, nicht in dieser Zeit geboren zu sein. Manchmal wünschte ich, ich würde in einer Zeit leben, in der es das, was meine Generation ausmacht, noch nicht gibt:

Den Klimawandel. Die Sozialen Medien. Und in den letzten beiden Jahren natürlich Corona. Viele meiner Pläne sind durch die Pandemie durcheinandergewirbelt (oder durchkreuzt) worden. Doch sie wird irgendwann vorbei sein.

Die sozialen Medien werden mein Leben auch weiterhin bestimmen, genau wie das von Millionen anderen Jugendlichen auch. Vielleicht bin ich abhängig, denke ich manchmal. Zum Beispiel wenn ich mich auf eine Klausur vorbereiten muss, Geige üben will:
Ich schaffe es selten, mich länger als 10 Minuten zu konzentrieren, dann muss ich auf mein Handy gucken. So, als gäbe es einen Timer in meinem Kopf, der mich zwingt, regelmäßig auf Instagram zu gehen.

Und wenn ich da dann Bilder von perfekt aussehenden Mädchen mit ihren scheinbar perfekten Leben sehe, fällt es mir schwer, mich nicht hässlich zu finden. Wenigstens bin ich mit 17 Jahren alt genug, um zu verstehen, dass das, was ich hier sehe, nicht wahr ist, dass das alles nur äußerlich und Social Media nicht die Realität ist. Aber wenn ich Kinder sehe, die schon mit sieben oder acht Jahren mit Handy und Kopfhörern durch die Straßen laufen, und nichts mitbekommen, frage ich mich, wie sie verstehen sollen, dass sie in einer Blase leben. Sie kennen es nicht anders, kennen nur diese Welt.

Doch das größte Problem meiner Generation ist unsere Zukunft. Haben wir überhaupt eine? Und wenn ja, wie wird sie aussehen? Welche Macht wird die Künstliche Intelligenz über uns haben? Wie wird der Klimawandel unser Leben verändern? Jeden einzelnen Tag höre ich in den sozialen Medien – als schnelle Informationsquelle sind sie dann doch gut –, dass wir jetzt handeln müssen, dass es sonst zu spät ist.

Aber die Politiker reagieren nicht. Verstehen sie denn nicht, dass genau sie dafür verantwortlich sind, dass wir alle so weiter leben können wie heute? Vergessen sie, was für Krisen auf uns zukommen können? Ich vergesse es nicht und doch mache auch ich weiter wie bisher, lebe mein luxuriöses, verschwenderisches Leben. So wie viele andere, denen es finanziell gut geht.

Trotzdem weiß ich manchmal nicht mehr, warum ich für die Matheklausur lerne, wenn gar nicht sicher ist, wie meine Zukunft aussieht. Ich weiß nicht mal, ob ich in diese Welt einmal Kinder setzen möchte.

Und trotzdem, so widersprüchlich es klingen mag, freue ich mich auf das, was kommt.
In einem halben Jahr mache ich Abitur und ich habe viele Pläne für die Zeit danach:
Ich möchte mit meinen Freunden reisen, nach Italien gehen, eine neue Sprache lernen.
Ich möchte Medizin oder Journalistik studieren, und vielleicht mit dem, was ich da lerne, ein bisschen die Welt verändern.

Davon träume ich und dann bin ich ganz sicher, dass es möglich
sein wird, sich der Zukunft zu stellen und dem, was mir heute Angst macht, etwas
entgegenzusetzen.

Helene Deggau, rbbKultur

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dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

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