Kiew im Krieg – Der Balletttänzer; © Yevgenia Belorusets
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Kriegsalltag in Kyjiw | rbbkultur-REIHE - Nachricht von Yevgenia

Die ukrainische Schriftstellerin und Künstlerin Yevgenia Belorusets sendet jeden Tag eine Nachricht aus Kyjiw an rbb Kultur, in der sie davon erzählt, wie sie den Krieg erlebt.

Heute Nacht wiederholte sich der Luftalarm. Dann hörte ich etwas Merkwürdiges - ein Geräusch eines sehr nah an den Dächern und Fenstern vorbeifliegenden Flugzeugs. Dieses Geräusch ist fremd, neu und ungeheuer. Die Nächte hier sind immer noch unruhig. Dabei sehnt sich Kyjiw nach einem fast echten Stadtleben. Die wenigen Passanten auf den Straßen schauen in die Fenster der Cafés in der Hoffnung, dass wenigstens eines geöffnet sein könnte. Einige Taxifahrer kehren zurück zu ihrer Arbeit und man kann versuchen, mit dem Taxi in die Stadt zu fahren.

Heute führte ich ein spontanes Gespräch auf der Straße mit einem Mitglied der Territorialverteidigung von Kiew. Es war ein älterer Mann, der mit einem Gewehr auf dem zentralen Kyjiwer Platz Majdan Nesaleschnosti Wache hielt. Seine Haltung wirkte besonders anmutig. Er wollte nicht sagen, was er im beruflichen Leben vor dem Krieg machte. Es passe gar nicht zu diesem Moment, meinte er. Ich habe ihn aber immer wieder gefragt. Dann erzählte er bescheiden, dass er ein Balletttänzer war. Mehr als 20 Jahre lang tanzte er in der Kyjiwer Oper. Dann lebte er als Rentner. Als junger Mann war er in der Armee und hat etwas Erfahrung. Und jetzt kämpft er in der Territorialverteidigung von Petschersk, einem der zentralen Kyjiwer Bezirke.

Es findet jetzt eine riesige Biografien-Verschiebung in der Ukraine statt. Sehr viele Leben werden geändert und wir alle beobachten es mit. Wir alle haben keine Zeit, wirklich umzudenken, was mit uns passiert.

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