Alain Delon und Romy Schneider 1969: "Der Swimmingpool" © imago stock&people
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Thilo Wydras Buch über Romy Schneider und Alain Delon - Alain und Romy: eine große Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts

Die Beziehung zwischen Romy Schneider und Alain Delon dauerte nur vier Jahre, aber sie wirkt bis heute nach. Nicht zuletzt in drei gemeinsamen Filmen sind die beiden Schauspieler der Nachwelt als großes Liebespaar in Erinnerung, vorneweg im Klassiker "Der Swimmingpool" von 1968. Der Filmjournalist Thilo Wydra hat für sein Buch "Romy und Alain" das Leben und die gemeinsame Liebe der beiden minutiös recherchiert.

rbbKultur: Herr Wydra, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Wydra: Das ist eine gute Frage. Es gibt immer zwei verschiedene Formen von Themen. Zum einen die Themen, die man seit Jahren – etwas pathetisch ausgedrückt - emotional im Herzen trägt. Und dann gibt es Themen, die von außen an einen herangetragen werden, die man erst einmal zu seinen eigenen machen muss. Ich habe mich bereits vor über zehn Jahren mit Romy Schneider beschäftigt - und sie kam immer wieder zu mir zurück. Irgendwann trat dann der Random House Verlag in München an mich heran, um über Ingrid Bergman zu schreiben - und dann standen plötzlich Romy und Delon vor der Tür und klopften innerlich an. Da Alain Delon am 8. November 85 Jahre alt wird und diese Partnerschaft, diese Liebe, bisher eher in Frankreich besprochen wurde, dachten wir, es wäre der richtige Zeitpunkt, dieses Buch herauszubringen.

rbbKultur: Was ist ausgerechnet an dieser Liebesgeschichte so besonders, dass man sie nacherzählen muss?

Wydra: Es gibt mehrere Komponenten. Zum einen ist es eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die Weltstars sind. Romy Schneider hat in zwei Jahren 40. Todestag, und es gibt vermutlich immer noch niemanden, der nicht irgendetwas mit diesem Namen anfangen kann. Alain Delon ist nicht nur, aber vor allem in Frankreich, eine geradezu überirdische Ikone. Einer der Gründe dahinter ist diese Ambivalenz dieser beiden Personen. Beide für sich sind extrem zerrissene, ambivalente Personen, die mit sich selbst sehr gehadert haben. Das ist spannender als manch andere Liebesgeschichte, behaupte ich jetzt mal dreist. Allein mit der Person Alain Delon könnte man Regale füllen. Jemand, der in fünf Minuten etwas ganz anderes sagt als fünf Minuten zuvor. Jemand, der unberechenbar ist. Jemand, der bis heute ein Filou ist. Man sagt ihm nach, dass er kriminell sei. Und dieser Mann, der 1958 aus dem Indochinakrieg kam, trifft "Sissy", trifft Romy Schneider, die aus den behüteten Armen ihrer Mutter Magda Schneider kam, die auf ihr saß wie eine Glucke, und sich allmählich emanzipiert hat. Diese beiden Welten treffen aufeinander. Das finde ich spannend.

rbbKultur: Sie zitieren sehr viele Texte, die Sie gefunden haben. Wie sind Sie an all die Quellen gekommen?

Wydra: Es gibt ja immer diese und jene Quellen. Zeitzeug*innen, die noch am Leben sind und die ich für jede meiner Biografien – sei es über Alfred Hitchcock, Ingrid Bergmann oder eben Romy Schneider und Alain Delon – versuche aufzusuchen und zu kontaktieren. Das ist in dem Fall ganz gut gelungen. Jane Birkin hat mir ihre Haustür zu Hause in Paris aufgemacht. Viele andere - Bertrand Tavernier, Volker Schlöndorff, Senta Berger und Mario Adorf - haben alle sehr, sehr viel erzählt über diese beiden Menschen, mit denen sie entweder gearbeitet haben oder aber mit ihnen befreundet waren. Das andere sind natürlich die Primärliteraturen. Zumindest im Falle von Romy Schneider gibt es die sogenannte Autobiografie "Ich, Romy", die posthum in den 80er Jahren erschienen ist, und da steht auch das eine oder andere Zitat drin. Aber natürlich begibt man sich auf die Suche, auf die Recherche und fragt wirklich jeden, der mit diesen beiden Personen zu tun hatte.

rbbKultur: Haben Sie auch Alain Delon befragt?

Wydra: Ich habe ihm einen Brief geschrieben, das war im vergangenen Jahr, den hat er nicht beantwortet. Im vergangenen Jahr, nach den Filmfestspielen von Cannes, wo er die Goldene Ehrenpalme erhielt, hat er leider Gottes einen Gehirnschlag erlitten. Er kam auf die Intensivstation und wurde notoperiert. Ich denke, da hatte er anderes zu tun als mit mir zu sprechen. Ich bin ihm aber in den Jahren davor immer wieder begegnet – u.a. bei der Berlinale oder eben in Cannes. Ich habe kurz mit ihm gesprochen, habe einen Eindruck von ihm gewonnen, habe ihn auf der Bühne gesehen – in Cannes, im Palast zusammen mit Michel Piccoli, wo sie auch Romy Schneider gedachten.

rbbKultur: Sie haben natürlich auch alle Filme mit Romy Schneider gesehen. War sie eine große, eine überragende Charakterdarstellerin?

Wydra: Auf alle Fälle. Sie hat 58 Filme gedreht. Nicht alle davon sind Meisterwerke. Aber ich denke gerade an die französischen Filme, bei denen zum Beispiel Claude Sautet Regie geführt hat: "Die Dinge des Lebens", der Film ist ein Meisterwerk. Direkt davor hat sie "Der Swimmingpool" gedreht, 1968 mit Alain Delon. Diese beiden Film haben nach einer großen Flaute in ihrem Leben in den 60er-Jahren, als sie fast aufgehört hat zu arbeiten, ein Comeback von ihr ausgelöst. In den 70er-Jahren hat sie, wie ich denke, ihre wirklich große, herausragende Zeit gehabt und eine Charakterrolle nach der anderen gespielt.

rbbKultur: Sind Sie als Autor vielleicht platonisch ein bisschen verliebt in Romy Schneider?

Wydra: Das kann man vielleicht sagen. Man muss sich als Autor, der Biografien schreibt, in die Person auch verlieben - und sei es Alfred Hitchcock. Natürlich fällt es bei Grace Kelly oder Ingrid Bergman nicht sonderlich schwer - und bei Romy Schneider schon gar nicht. In Alain Delon habe ich mich zwar nicht wirklich tief verliebt, aber wenn man sich über einen sehr langen Zeitraum mit ihm beschäftigt, kommt man ihm natürlich auch nahe. Dann ist eine andere Seite zu erkennen: Die Seite, die er letztes Jahr in Cannes im Mai gezeigt hat, als ihm die Tränen liefen auf der Bühne und er zum Schluss noch einmal zurückgekehrt ist auf die Bühne und sagte: "Romy, ich denke an Romy". Wer da keine Gänsehaut bekommt und diesem Mann eben auch Respekt zollt - dann weiß ich auch nicht weiter.

rbbKultur: Aber halten Sie das für echt?

Wydra: In dem Fall eigentlich schon. Man kann Delon viel nachsagen. Er ist sicherlich jemand, der sich selbst inszeniert, der sowieso sehr scheu gegenüber der Presse und Journalisten ist. Aber in diesem Fall, wenn es um Romy Schneider geht, über die er sagte "Es war die größte Liebe meines Lebens", da kaufe ich ihm das ab.

rbbKultur: Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie vom Tod Romy Scheiders gehört haben?

Wydra: Es war im Mai 1982, und relativ schnell folgten die Todesmeldungen von Ingrid Bergman und Grace Kelly. Alle drei sind im Sommer 1982 gestorben. Das sind Momente, die man nicht vergisst.

rbbKultur: Können Sie erklären, wieso Romy Schneider in Frankreich sehr viel mehr verehrt, gefeiert und geliebt wird als das bei uns in Deutschland der Fall ist?

Wydra: Das ist eine sehr schwierige, ambivalente Frage. Es ist ja nicht nur Romy Schneider. Es sind ja viele andere, die Deutschland verlassen haben und nach Paris, London oder New York gegangen sind und dort auf Händen getragen wurden. Und die Franzosen tragen ihre Stars sowieso auf Händen. Catherine Deneuve, Gérard Depardieu und wie sie alle heißen, würden wahrscheinlich in Paris nie diese Behandlung oder diese Presse erfahren wie seinerzeit Romy Schneider in Deutschland, wo einige Medien sie ja regelrecht gejagt haben. Sie hat sich in Frankreich, wie man so schön sagt, auch "à la maison" - wie zu Hause - gefühlt. Dort fast angekommen war, aber immer eine Sehnsucht auch nach Deutschland hatte. Aber letzten Endes war Frankreich mindestens die zweite Heimat, wenn nicht vielleicht sogar die erste. Da ist sie aber wirklich keine Ausnahme, kein Einzelfall.

Das Gespräch führte Peter Claus, rbbKultur