Max Raabe; © Gregor Hohenberg
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Bild: Gregor Hohenberg

Der Sänger beteiligt sich an Spendenaktion - Max Raabe im Wohnzimmer: Solidarität für die "Backstage-Helden"

Max Raabe steht seit über 30 Jahren mit seinem Palastorchester auf der Bühne. Aber all diese Auftritte hätte es nicht gegeben ohne die vielen Held*innen hinter der Bühne wie Tontechniker*innen, Bühnenbauer*innen und viele andere. Auch sie trifft die Pandemie hart: ohne Auftritte – keine Arbeit.
 
Deswegen wollen eine Reihe namhafter Künstler*innen diese "Backstage-Helden" durch eine Spendenaktion unterstützen. Wer spendet, kann einen Video-Besuch zu Weihnachten gewinnen von Udo Lindenberg, Anne-Sophie Mutter, Veronika Ferres oder auch Max Raabe.
 
"Der Stern"-Spendenaktion "Backstage-Helden".

rbbKultur: Herr Raabe, was hören Sie denn von den "Backstage-Helden", mit denen sie sonst zusammenarbeiten. Wie geht es denen?

Raabe: Denen geht so wie allen, die ein schweres Los in dieser Zeit haben. Es steht alles still. Diese Aktion fand ich von Anfang an sehr gut, weil wir als Musiker wissen, was wir an ihnen haben. Aber man muss auch eine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit dafür schaffen.

Das sind die Leute, die auf Messen oder bei großen Veranstaltungen dafür sorgen, dass alles funktioniert. Wir Musiker wissen das ganz genau. Wir sind ihnen sehr dankbar, denn egal, in welche Stadt wir kommen und egal, welche Bedingungen herrschen, die machen alles klar und kümmern sich, sodass wir dann um acht Uhr auf die Bühne gehen können und uns keine Gedanken um die Technik machen müssen, sondern einfach unsere Arbeit gut abliefern können.

rbbKultur: Sie sind Solist, eine herausgehobene Figur. Sie haben in Ihrer ganzen Erscheinung einen besonderen Stil. Ich hätte gar nicht gedacht, dass Solidarität für Sie so wichtig ist …

Raabe: (...) Ich habe enormen Respekt vor diesen Leuten, die schon seit vielen Jahren mit uns zusammenarbeiten. Wenn ich jetzt ein unangenehmer "Bühnenvogel" wäre, dann hätten diese Leute irgendwann gesagt: mit dem Raabe wollen wir nichts mehr zu tun haben. Das Gegenteil ist der Fall. Die arbeiten gern und schon sehr lange mit uns zusammen.

rbbKultur: Vor zwei Jahren wurde die Bürgelschule in Rathenow in Brandenburg mit dem Ehrentitel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet. Sie waren Schulpate dieser Aktion und sind auch nach Rathenow gefahren. Warum haben Sie die Aktion unterstützt?

Raabe: Ich finde so etwas immer großartig. Es gibt viele Aktivitäten, von denen man gar nicht viel mitbekommt. Aber wenn ich die Chance habe, mich da reinzuhängen – ich meine, ich muss dann nur meinen bunten Namen hergeben - dann mache ich das gern. Weil ich auch ein schlechtes Gewissen habe, dass ich selbst durch die vielen Reisen und Tourneen so wenig Zeit habe, mich aktiv für solche Themen einzusetzen und dafür zu sorgen, dass es ein gutes Miteinander gibt hier in Deutschland.

Wenn ich mitbekomme, dass jemand etwas tut – vor allem eine Schule - dann bin ich wirklich gern dabei. Wir machen allerdings eine Menge, hängen das aber nicht immer an die große Glocke.

rbbKultur: Wenn Sie jetzt bei den "Backstage-Helden" an Weihnachten zu einem Videobesuch zu jemandem kommen, was werden Sie dann machen? Zusammen singen, plaudern, passende Getränke einnehmen?

Raabe: Machen Sie den Leuten keine Angst! (lacht). Ich komme ja nicht wirklich zu den Menschen nach Hause, sondern wir machen das per Videokonferenz. Aber dann stehe ich den Leuten ungefähr eine Viertelstunde lang zur Verfügung. Wenn sie sagen: Singen Sie mal was! - dann singe ich. Wenn sie mit mir zusammen ein Gedicht aufsagen möchten, dann mache ich das auch.

Ich finde es großartig, dass sich Leute ins Zeug legen und lasse mich ganz auf die diejenigen, die sich engagiert und diese Zeit mit mir ersteigert haben, ein. Ich bin gespannt, was kommt. Ich bin da bester Laune.

rbbKultur: Jetzt haben Sie die Büchse der Pandora aufgemacht (lacht) …

Raabe: Okay! Wenn dabei Geld für die Leute, die uns jeden Tag den Boden bereiten und helfen, auf die Bühne zu kommen, herumkommt, dann nehme ich das alles gerne hin!

rbbKultur: Sie haben letztes Jahr in der Reihe MTV Unplugged ein Konzert gegeben und sich den Schauspieler Lars Eidinger eingeladen, um mit ihm zusammen den Mackie-Messer-Song aus der "Dreigroschenoper" zu singen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Raabe: Es war zur Premiere seines Films "Die Dreigroschenoper", in dem er die Figur des Bertolt Brecht spielt. Wir sind ins Gespräch gekommen und er hat mir erzählt, dass er bei seiner Aufnahmeprüfung an einer Schauspielschule "Kein Schwein ruft mich an" vorgesungen hat.

rbbKultur: … Ihr berühmtes Stück!

Raabe: Genau. Das fand ich sehr merkwürdig und lustig. Die Jury war wohl ein bisschen irritiert, aber es hat funktioniert (lacht).

Als dann die Idee aufkam, MTV Unplugged zu machen, dachte ich daran, Leute einzuladen, auf die man nie käme, wenn man an Max Raabe und das Palast Orchester denkt. Da waren dann ganz tolle Leute dabei, die eben etwas ganz anderes machen. In diese wilde Mischung, von LEA bis zu Herbert Grönemeyer, fiel dann auch mein Vorschlag, Lars Eidinger zu bitten, auf gute Resonanz. Er hatte Zeit, obwohl er da mitten in den Dreharbeiten zu "Babylon Berlin" steckte.

Er kam tatsächlich in den Spiegelsaal in Clärchens Ballhaus (…) in dem wir dann ein Hauskonzert mit dem Palast Orchester gegeben haben. Er sang "Die Moritat des Mackie Messer" (…), wobei ich ihm dabei noch in die Parade fahre (…) - das Ganze war nicht ganz so bierernst.

rbbKultur: Herr Raabe, dieses merkwürdige Jahr 2020 hat nur noch wenige Tage. Wie ist es Ihnen denn ergangen?

Raabe: Ich bin gerade ein bisschen wehmütig geworden, als ich das Palast Orchester mal wieder gehört habe. Es ist schon ein bisschen bedrückend. Aber meine Güte, das kriegen wir jetzt auch noch hin. Ich habe mit dem Nikolaus telefoniert. Der hat gesagt, nächstes Jahr wird alles besser!

Wir haben all unsere Konzerte ins kommende Jahr verschoben. Wir haben nichts abgesagt. (…) Ich sehe, dass es weitergeht. Und das wird für viele andere auch so sein, ganz bestimmt. So einen Quatsch wie 2020 machen wir nicht nochmal mit.

Das Gespräch führte Frank Meyer, rbbKultur