Jakob Kudsk Steensen: Berl-Berl; © Timo Ohler
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Ausstellung in der Halle am Berghain - Berl-Berl - Eine audiovisuelle Hommage an die Sumpflandschaft

Der dänische Künstler Jakob Kudsk Steensen bespielt die Halle am Berghain mit magischen Bildern und Klängen. Andrea Handels hat die audiovisuelle Sumpflandschaft besichtigt.

Naturgeräusche wie Wasserplätschern und Vogelzwitschern gemischt mit Musik und atmosphärischen Klängen erfüllen die Halle am Berghain, eine heruntergekommene, zweistöckige Industriehalle, mit schwarz verfärbten Betonwänden. In der Dunkelheit verteilt leuchten neun unterschiedlich große Leinwände. Collagenartig verwobene Filme sind auf ihnen zu sehen: aus knorrigen Bäumen, übergroßen Pilzen, seltsamen Unterwasserwelten entstehen hier magische Landschaften.

Einiges davon ist im Spreewald aufgenommen, mit einem Makroobjektiv, gleichzeitig real und surreal, und es verändert sich ständig – in Echtzeit. Dazu ertönen diese Sounds, die wechseln, wenn man herumläuft, je nachdem welcher der Videoleinwände man sich nähert. Die Bilder wirken wie einem unglaublich guten Fantasyfilm entsprungen. Man meint, sie anfassen zu können, so plastisch sind sie, so intensiv auch ihre Farben.

Jakob Kudsk Steensen, Jahrgang 1987, ist in Wälder und Feuchtgebiete rund um Berlin gefahren und hat Objekte wie ein Stück Holz oder einen Felsen fotografiert, bei jedem Besuch bis zu 2.000 Fotos gemacht und dann daraus mithilfe eines Computerprogramms, wie man es aus der Computerspieltechnologie kennt, 3D-Animationen kreiert. Ein Riesenprojekt mit innovativster Technologie. Aus diesen ganzen Einzelaufnahmen hat er eine neue Landschaft erschaffen, eine immersive Installation.

Verlorene Sumpflandschaften ins Bewusstsein bringen

Seit zehn Jahren arbeitet der dänische Künstler mit so genanntem "environmental storytelling" mit seinen Kunstprojekten, und das weltweit. Es geht ihm dabei immer zuerst um die Umwelt, die Landschaft, und die Vorstellungskraft - und dann kommt erst die Technologie dazu. Kein Selbstzweck also. Die in der Eiszeit entstandenen Sumpflandschaften in Berlin und Umgebung sind teils schon verloren, teils bedroht und generell zu wenig im Bewusstsein, findet er.

Jakob Kudsk Steensen: "Wenn wir über Klimawandel reden, denken wir normalerweise an schmelzende Eisberge oder verschwindenden Regenwald. Aber rund um Berlin verschwinden die Feuchtgebiete, und sie sind wegen ihres frischen Wassers überlebenswichtig für die Menschen. Deshalb wollte ich in Verbindung mit den Sümpfen um Berlin ein Gefühl von Magie und Spiritualität erschaffen."

Die Berlin-Brandenburgischen Feuchtgebiete sind teilweise ausgetrocknet, aber es gibt ja noch den Spreewald, wo auch viele Sorben leben, die slawische Minderheit in Deutschland. Der Titel der Ausstellung Berl-Berl verweist auf sie. Berl hat seinen Ursprung in der sorbischen Bezeichnung für Sumpf. Jakob Kudsk Steensen hat sich in die Geschichte der Sümpfe vertieft und ist darauf gestoßen, dass sie vor der Industrialisierung eine große Rolle in Mythologie und Erzählungen gespielt haben. Das ist verloren gegangen und der Künstler möchte es wiedererwecken.

Innovatives Zusammenspiel von Kunst und Technologie

Insgesamt zwei Jahre hat Jakob Kudsk Steensen an Berl-Berl gearbeitet. Möglich gemacht hat die umfangreiche Recherche und die Ausstellung die Kunststiftung und Plattform LAS, Light Art Space, eine Stiftung, die neue Formate an der Schnittstelle zwischen Kunst und neuen Technologien fördert.

Unterstützt wurde der Künstler bei seinen Sumpfrecherchen vom Kooperationspartner für die Ausstellung, dem Berliner Museum für Naturkunde. Unter anderem konnte er Geräusche aus dem Klangarchiv des Museums verwenden, Aufnahmen von Naturgeräuschen und Tieren, die teilweise noch aus den 1960er Jahren stammen, als die Sümpfe noch intakter waren. Der Soundkünstler Matt McCorkle hat daraus die mit den Videos vernetzten Klänge komponiert.

Die Besucherinnen und Besucher sollen sich in der Halle am Berghain fühlen wie in einer Kathedrale, wünscht sich Jakob Kudsk Steensen. Eine gewisse spirituelle Erhabenheit stellt sich tatsächlich ein, wenn man in seine magischen Sumpflandschaften eintaucht.

Andrea Handels, rbbKultur

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