Martin Woelffer, Theaterdirektor Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater; © Carsten Kampf
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Jubiläum 100 Jahre Komödie am Kurfürstendamm - Martin Woelffer: "Ohne Corona-Hilfen kann ein Theater derzeit nicht bestehen"

Eigentlich ein Grund zum Feiern: die "Komödie am Kurfürstendamm" wird am 8. Oktober 100 Jahre alt. Gegründet von Max Reinhardt, bevölkert von großen Schauspiel-Namen wie Heinz Rühmann, Johanna von Koczian, Curd Jürgens oder Harald Juhnke. Martin Woelffer ist seit 2004 Intendant des Theaters, das derzeit im Schiller Theater an der Bismarckstraße gastiert. Doch dieses Exil hat demnächst ein Ende. Ein Rück- und Ausblick mit Martin Woelffer.

rbbKultur: Herr Woelffer, Ihr neues Stück "Vorhang auf für Cyrano" ist eine Liebeserklärung an das Theater. Was lieben Sie am Theater?

Woelffer: Am Theater liebe ich ganz besonders das Zusammenkommen von den Leuten, die auf und hinter der Bühne sind. Die ganze Aktion, die da gestartet wird und dass man dann vor das Publikum treten kann, dass das ganze Stück gezeigt wird und dass dann möglichst auch noch ein Austausch von Publikum und Bühne stattfindet. Das ist das Tollste, finde ich.

rbbKultur: Wie erleben Sie jetzt die Vorstellungen unter Corona-Bedingungen am Theater?

Woelffer: Wir sind vor allen Dingen froh, dass es überhaupt wieder losgeht, dass die Leute kommen und Freude haben. Das ist das Schönste im Augenblick. Wir erleben das sehr positiv: Die Leute sind sehr darauf eingestellt, dass man getestet, geimpft oder genesen sein muss. Dann kann man sich im Theater fast ganz frei bewegen.

rbbKultur: Die Zeit der Pandemie war für alle kulturellen Einrichtungen nicht einfach. Auch der Komödie am Kurfürstendamm hat sie ziemlich zugesetzt. Es gab Schließungen, Ausfälle, weniger Publikum. Im vergangenen März hieß es in einem Fernsehbeitrag, dass die Premiere von "Cyrano" ein Erfolg werden muss, sonst würde es eng werden. Wie sieht die Situation gerade aus?

Woelffer: Sie ist natürlich angespannt. Ohne Corona-Hilfen kann ein Theater im Augenblick - und schon seit längerer Zeit - nicht bestehen. Wir sind immer noch eingeschränkt: Wir belegen im Augenblick noch nicht den ganzen Zuschauerraum. Das heißt, wir brauchen weiterhin die Unterstützung. Für uns als ein Privattheater mit nur wenig Subventionen ist es sowieso so, dass jede Produktion ein Erfolg werden muss, weil wir 85 Prozent der Einnahmen an der Kasse machen. Das muss natürlich jedes Mal hinhauen.

rbbKultur: Wie sieht denn die staatliche Unterstützung in Ihrem Haus aus?

Woelffer: Wir dürfen uns nicht beklagen, denn hier in Berlin waren wir - im Gegensatz zum gesamten Bundesgebiet - immer gut informiert. Wir wurden immer gut mitgenommen vom Kultursenator. Das heißt, wir hatten hier die ganze Zeit über nicht so viel Angst wie die restlichen Bühnen im Bundesgebiet. Insofern sind wir gut durch die Corona-Krise gekommen, obwohl das am Anfang noch nicht so aussah. Jetzt freuen wir uns natürlich, dass wir wieder vor Leuten spielen können und die Einnahmen selbst machen.

rbbKultur: Was erwarten Sie für die "Cyrano"-Premiere?

Woelffer: Ich erwarte ein volles Haus. Ich kann wirklich sagen, dass es ein tolles Stück ist, über das sich die Leute freuen werden. Es ist sowohl komödiantisch als auch berührend und turbulent. Eine tolle Inszenierung, die ich nicht selber gemacht habe – deswegen darf ich das sagen. (lacht)

rbbKultur: Für die Komödie am Kurfürstendamm gibt es Lösungen bzw. Lösungsversuche. Derzeit wird ein Theater mit einem Mietvertrag gebaut, der mindestens 20 Jahre lang dauern soll. Allerdings gibt es Bauverzögerungen.

Woelffer: Genau, auch das ist Corona-bedingt. Es kommt zu mindestens einem Jahr Verzögerung, was natürlich blöd ist, weil wir Ende 2022 aus dem Schiller Theater raus müssen und nicht 2023 gleich ins neue Haus können.

rbbKultur: An welchen Ort könnten Sie denn dann?

Woelffer: Den müssen wir noch suchen und finden. Da sehen wir uns selbst auch in der Pflicht. Wir setzen uns jetzt nicht hin und sagen: Macht mal für uns! Wir suchen, wir schauen, wo so etwas möglich ist. Wir brauchen allerdings Unterstützung - sowohl vom Investor als auch vom Senat. Alleine schaffen wir das nicht.

rbbKultur: Was wäre denn Ihr Wunsch?

Woelffer: Ein freies Theater. Am besten natürlich in der City West, wo wir als Zwischenlösung Station finden. (…) Es gibt einige Optionen, die ich heute allerdings noch nicht verraten möchte.

rbbKutur: Sie möchten ein intimes und gleichzeitig modernes Theater schaffen. Wie kann ich mir das vorstellen?

Woelffer: Wer die Komödie am Kurfürstendamm kennt bzw. kannte, der weiß, was damit gemeint ist. Es soll ein Zuschauerraum werden, zu dem die Bühne leicht Kontakt hat. Es soll insofern intim sein, dass man das wirklich das Gefühl hat, man sitzt mit auf der Bühne. Es soll elegant werden und gleichzeitig so schön sein, dass ich da gerne hingehe. Ich glaube, unser Theaterarchitekt Klaus Roth hat etwas Tolles geschaffen. Aber auch da werden wir warten, bis wir Bilder zeigen.

rbbKultur: Am Freitag feiern Sie den 100. Geburtstag der Komödie am Kurfürstendamm mit "Vorhang auf für Cyrano". Ende Oktober gibt es eine Solofassung der "Abenteuer des braven Soldaten Schwejk". Welche Projekte planen Sie für den neuen Spielplan bzw. bis zum Einzug in die neue Bühne noch?

Woelffer: Bis dahin ist ja zum Glück noch Zeit. Erst einmal kommen die verschobenen Programme: Gayle Tufts kommt mit ihrem neuen Programm. Dann gibt es das wunderbare Weihnachtsstück "Schöne Bescherungen", das auch schon letztes Jahr stattfinden sollte. Es gibt viele Sonderprogramme: die Berliner Comedian Harmonists natürlich. Zu Weihnachten wird es eine Menge geben.

Das Gespräch führte Carolin Pirch, rbbKultur. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung. Das Gespräch in voller Länge können Sie als Audio nachhören.

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