Demonstrantinnen halten bei einem Protest historische weiß-rot-weiße Fahnen der Opposition in den Händen -/AP/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Felix Ackermann und Olga Shparaga - Belarus – Die Revolution der Anderen?

"Ich wünsche mir, dass wir die solidarische Energie nicht zerstreuen, sondern neue Möglichkeiten, Kanäle, Vernetzungen finden, um gegen Lukaschenko und den Autoritarismus zu kämpfen." Olga Shparaga

Wohl noch nie wurde ein demokratischer Aufbruch gegen eine Diktatur im Osten Europas so stark von Frauen organisiert; noch nie hat ein neues politisches Denken der horizontalen Vernetzung ein ganzes Land verändert. Die Revolution in Belarus könnte für Machtstrukturen weltweit revolutionär sein. Dafür braucht sie noch viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Die Frauen haben für die Gesellschaft diese friedlichen Strategien vorgeschlagen. Sie sagen immer wieder: Wir sind keine echten Leader, wir sind Teil der Gesellschaft. Die ganze Gesellschaft muss jetzt weiterkämpfen.

Olga Shparaga

Was in Belarus passiert, findet mitten in Europa statt. Die Sanktionen sind zu wenig. Ich vermisse eine klare Reaktion auch in Deutschland auf die Gewalt in Belarus, von allen, die eigentlich aufschreien, wenn auf der Welt Unrecht zu beobachten ist.

Felix Ackermann
Bild: Dmitry Brushko | Jan Zappner

Gäste

Olga Shparaga, geboren 1974, ist Philosophin und Professorin am College of Liberal Arts in Belarus (http://eclab.by), das sie 2014 mit Kolleg*innen in Minsk gründete. Sie hat in Minsk und Bochum studiert. Von 2001 bis 2014 unterrichtete sie Philosophie an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius, einer belarussischen Hochschule im litauischen Exil. Sie lehrte und forschte an Universitäten und wissenschaftlichen Zentren in Tschechien, Polen, Litauen, Deutschland und den USA. Sie ist Autorin zweier Bücher, darunter "Die Gemeinschaft-nach-dem-Holocaust. Unterwegs zur Gesellschaft der Inklusion" (Minsk, ECLAB-books, 2018, auf Russisch), das vom Internationalen Kongress der Forscher von Belarus als bestes philosophisches Buch 2018 bezeichnet wurde. Shparaga ist Mitglied im Koordinationsrat der belorussischen Opposition, wurde zweimal verhaftet und ist mit ihrer Familie aus Minsk nach Litauen geflohen. Im Frühjahr 2021 erscheint im Suhrkamp-Verlag ihr gerade entstehendes Buch „Die Revolution hat ein weibliches Gesicht – Der Fall Belarus“.

Felix Ackermann, geboren 1978, ist Kulturwissenschaftler und Osteuropa-Historiker. Er wuchs in Berlin auf, promovierte 2008 in Frankfurt (Oder) bei Karl Schlögel über die heute belarussische Stadt Grodno und lehrte von 2011 bis 2016 an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius. Zurzeit erforscht er am Deutschen Historischen Institut Warschau die Geschichte des Gefängniswesens im geteilten Polen-Litauen. Mit Übersetzer*innen aus dem Belarussischen gründete er in diesem Jahr die Facebook-Seite "Stimmen aus Belarus"

Literatur und Links

Olga Shparaga: Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus

Edition Suhrkamp
120 Seiten
13,00 Euro

Gepl. Erscheinen: 19.04.2021

Olga Grjasnowa (Bild: dpa/Dave Johnston)
dpa/Dave Johnston
5 min

bbKultur - Das Magazin - Olga Grjasnowa

Ihr neuer Roman "Der verlorene Sohn" ist druckfrisch. Ihr Stoff "Gott ist nicht schüchtern" wird gerade am Berliner Ensemble inszeniert. Die Autorin Olga Grjasnowa überzeugt mit ihren genauen und kritischen Beobachtungen.

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