Mädchen mit Maske guckt aus dem Fenster © imago images / Cavan Images
Bild: imago images / Cavan Images Download (mp3, 32 MB)

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susanne Bücker und Wilhelm Schmid - Einsamkeit - eine Aufgabe der Politik?

Susanne Bücker: "Die allermeisten vergessen, dass Beziehungen und auch Berührungen hochrelevant sind, das wird einem ja auch nirgendwo so richtig explizit vermittelt."

Eine Pandemie geht um in Deutschland. Nicht nur eine Virus-Epidemie, manche warnen auch vor einer "Einsamkeitspandemie". Wissenschaftlich belegen lässt sich die Ausbreitung von Einsamkeit jedoch nicht. Und ist Einsamkeit per se negativ? Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid widerspricht: Die produktive Seite der Einsamkeit dürfe nicht vergessen werden. Schmid wünscht sich sogar ein Ministerium für und nicht gegen Einsamkeit, um diese Errungenschaft der Moderne zu pflegen. Susanne Bücker, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht die verschiedenen Gesichter der Einsamkeit und betont, wie wichtig es ist, über sie zu reden. Besonders Jugendliche können mit sozialer Isolation nur schwer umgehen. Armut verhindert häufig soziale Teilhabe. Eine Aufgabe der Politik? Schmid und Bücker sind sich einig, wie wichtig Bewegung, Berührung und Beziehung sind. Aufgaben für alle.

Ich würde davon abraten, Einsamkeit als Krankheit oder Ähnliches zu bezeichnen. Ich mag es auch nicht so gerne, wenn von todbringenden Folgen von Einsamkeit gesprochen wird. Denn das verleugnet, dass Einsamkeit, wenn es vorübergehend auftritt, eben ein sehr normales Gefühl ist, das die allermeisten von uns irgendwann im Leben einmal erfahren.

Susanne Bücker

Ich bin absolut dagegen, "die Einsamkeit", diesen wunderbaren Begriff der Geschichte, ins Negative zu rücken und die positive Seite mit dem harmlosen, wenig sagenden "Alleinsein" zu besetzen.

Wilhelm Schmid
Susanne Bücker und Wilhelm Schmid © privat
Bild: privat

Gäste

Susanne Bücker, geboren 1992, ist Psychologin und Einsamkeitsforscherin. Als permanentes sachverständiges Mitglied der Enquetekommission im Landtag Nordrhein-Westfahlen beschäftigt sie sich mit dem Thema "'Einsamkeit' - Bekämpfung sozialer Isolation in Nordrhein-Westfalen und der daraus resultierenden physischen und psychischen Folgen auf die Gesundheit".

Wilhelm Schmid, geboren 1953, lebt als freier Philosoph in Berlin. Er lehrte bis 2019 Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt und war als philosophischer Seelsorger am Spital Affoltern am Albis in der Nähe von Zürich in der Schweiz tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Lebenskunstphilosophie.

Weiterführende Links und Infos

Bücher

Wilhelm Schmid: "Heimat finden. Vom Leben in einer ungewissen Welt"

Suhrkamp 08.03.2021
Gebunden, 480 Seiten
24,00 Euro

Wilhelm Schmid: "Von der Kraft der Berührung"

Insel-Bücherei 2019
Gebunden, 101 Seiten
8,00 Euro

Wilhelm Schmid: "Selbstfreundschaft. Wie das Leben leichter wird"

Insel 2018
Gebunden, 126 Seiten
10,00 €

Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns über Nachrichten, Kritik, Lob und Anregungen!

Kontakt

Datenschutzhinweis

Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet.

 

* Pflichtfeld

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Kommentarfunktion zum Kommentieren von Beiträgen.