Igor Levit und Robert Habeck © Anke Schüttler
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Igor Levit und Robert Habeck - Machtkultur - von hier an anders?

Robert Habeck: "In den Möglichkeiten, die ich habe, will ich dafür sorgen, dass mit Lebensfreude Wandel geschieht. Obama hat immer gesagt: 'Yes we can'. Ich würde sagen, das Motto ist: 'We can, if we want'."

Die Corona-Pandemie bringt tiefe soziale Spannungen ans Licht, schreibt Robert Habeck, der Co-Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, in seinem neuen Buch "Von hier an anders". Spannungen, die das Miteinander zu zerreißen drohen. Eine neue politische Kultur müsse her, meint er: eine Machtkultur, die auch die eigenen blinden Flecken zu sehen versucht und Andersdenkenden zuhört.

Was genau müssen Politiker von hier an anders machen? Welche Rolle können politisch engagierte Künstler wie der Pianist Igor Levit dabei spielen, den Hass in unserer Gesellschaft, das Gegeneinander, in ein neues Miteinander zu verwandeln? Es geht nicht nur darum, wie wir gut aus der Corona-Krise herauskommen, es geht um unsere Zukunft in der nächsten, weltweiten Krise, der Klimakrise.

Ich möchte verstehen, was zur gesellschaftlichen Spaltung oder den Fliehkräften der Gesellschaft geführt hat. Das Auseinanderdividieren von einer vielfältigen, bunten, offenen Gesellschaft zu geteilten Gruppen, die sich dann quasi wie Stämme bekriegen. Das ist eine politische Aufgabe, und da kann ich jetzt nicht nur sagen: ich finde die, die nicht meiner Meinung sind, doof, sondern ich muss versuchen zu verstehen, was sind die Untergrundströmungen, die da am Wirken sind. Und das sind ökonomische, politische und kulturellen normative Fragen, letztlich moralische Fragen.

Robert Habeck

Dieser Begriff ‚Mitte‘ ist so diffus und auch so missbraucht, dass ich ungern in diesen Sandkasten einsteigen will, weil es sehr vieles gibt, was ich der Mitte auch vorwerfe, unter anderem auch Rassismus und Antisemitismus. Ich denke nicht in diesen Kategorien, ob ich Mehrheit oder Minderheit bin. Im schlimmsten Fall gibt es Tage, an denen ich zur Minderheit erklärt werde, gemacht werde.

Igor Levit
Igor Levit und Robert Habeck © Anke Schüttler
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Gäste

Igor Levit

1987 geboren im russischen Gorki (heute: Nischni Nowgorod), immigrierte als Achtjähriger mit seiner Familie nach Deutschland. An der Musikhochschule Hannover, an der er auch studiert hat, ist er seit 2019 Professor für Klavier. Er ist ein weltberühmter Pianist, er liebt Beethoven, aber auch den Blues. Er twittert viel, vor allem gegen Antisemitismus und Neofaschismus und erhielt dafür 2020 unter anderem das Bundesverdienstkreuz. Er ist auch Aktivist für den Klimaschutz, spielte u.a. für Extinction Rebellion auf der Straße oder im Dannenröder Forst im Protest gegen dessen Rodung. Im ersten Corona-Lockdown streamte er 53 Hauskonzerte aus seiner Wohnung und erreichte damit Hunderttausende weltweit.

Igor Levit (und Florian Zinnecker): "Hauskonzert"

Hanser Verlag, erscheint 19.4.2021

Robert Habeck

Jahrgang 1969, ist in Heikendorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Er hat Philosophie studiert, in Literaturwissenschaft promoviert und – teilweise mit seiner Ehefrau – mehrere Romane und Jugendbücher geschrieben. Er war Landesvorsitzender der Grünen in Schleswig-Holstein, dann ebendort Stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt. Seit Januar 2018 ist er mit Annalena Baerbock Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen. Sein neues Buch "Von hier an anders. Eine politische Skizze“ bezeichnet er als „Versuch, über persönliches Erleben Politik zu erklären": "Um tatsächlich mich selbst zu hinterfragen oder nachzudenken, was eigentlich passiert ist in den letzten drei Jahren mit meiner Partei und mit mir."

Robert Habeck: "Von hier an anders. Eine politische Skizze."

Verlag Kiepenheuer & Witsch 2021

Gebunden, 384 Seiten
22,00 Euro
E-Book 18,99 Euro

 

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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Antwort auf [H. Friedrichsohn] vom 04.02.2021 um 21:03
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2 Kommentare

  1. 2.

    P.s. Bundesverdienstkreuz ist eher kein wirklich gutes, erstrebenswertes Auszeichnungslametta,
    Horst Eberhard Richter hat es seinerzeit 3 mal abgelehnt mit der trifftigen Begründung es haben zu viele Altnazis das Bundesverdienstkreuz erhalten.
    Auf Horst Eberhard Richters Grabstein steht folgendes geschrieben: „Der Mensch ist, bevor er ein denkendes und ein wollendes Wesen ist, ein liebendes Wesen.“

  2. 1.

    Bischen viel "Nabelschau" , wenig über wie findet die Kultur und Politik zu Bildungsschicht übergreifenden Dialogen, z.B Konzerte für bildungsferne, sozial schwache Kinder&Jugendliche
    Machen die Grünen Umweltworkshops mit Kindern und Jugendlichrn aus sozioökonomisch bildungsfernen Lebensverhältnissen?
    Die Egozentriertheit ist ein Problem das nicht nur in hedonisten Mitte der Gesellschaft zu finden ist sondern auch im Kultur und Politikbetrieb.
    Es ist schon klar das Herr Habeck mit Obama kokettiert und ich finde auch seine erweiernde Perspektive mit "Fröhlichkeit" Vetänderungswillen ansprechend, dass kann aber für so manchen Underdogs und burnout Ausgewrungenen Minijober sehr zynisch in deren Ohren klingen und mit Verachtung abgewehrt werden weil es gar nicht den Lebensrealitäten entspricht und die institutionelle strukturelle Gewalt zu mächtig ist.
    Insgesamt fand ich den Dialog etwas zu schwach