"Purple Ride" zum internationalen Frauentag © Wolfram Steinberg/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Christina von Braun und Eva von Redecker - Geschlecht und Revolution – Frauenbewegung heute

Eva von Redecker: "Ich verdanke mein Leben dem Feminismus und den vorhergegangenen Feministinnen."

Wo steht die Frauenbewegung heute, gerade in der Corona-Pandemie? Wird der Feminismus von den Debatten um Geschlechterdiversität überholt? Ein Gespräch zwischen Generationen, über Ost- und Westerfahrungen, über Sorge-Arbeit, geschlechtergerechte Sprache und die Frage, ob der Kapitalismus abgeschafft werden muss, damit die Forderungen des Feminismus realisiert werden können.

Unserer Generation noch mehr als der heutigen Generation wurde in Frage gestellt, weshalb wir überhaupt berufstätig sind. Warum wir uns für bestimmte Stoffe interessieren. Bei mir hat sich dann allmählich die Frage heraus geschält: Woher kommt diese Geschlechterordnung? Woher bezieht sie ihre Plausibilität? Was war der Grund, dass sie sich überhaupt etablieren konnte? Denn soweit waren wir da doch relativ früh, zu sagen, das ist nicht normal, das ist nicht Natur oder was auch immer.

Christina von Braun

Dass selbst in so einer gesellschaftlichen Situation, wo eine manifeste Gesundheits- und Versorgungskrise besteht, die Abwertung der als weiblich gelesenen Arbeit so stabil in Zement gegossen ist, dass nach ein bisschen Klatschen nichts weiter passiert! Man sieht, dass eine Gesellschaft es sich überhaupt nicht leisten kann, dass die Pflegeberufe so unattraktiv sind. Dass da nicht eine völlige Kehrtwende in den Prioritäten stattfindet, sondern stattdessen Lufthansa subventioniert wird, das finde ich wirklich unfassbar. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der Feminismus noch nicht fertig ist, dann finde ich, sieht man das da.

Eva von Redecker
Christina von Braun (© Milena Schloesser) und Eva von Redecker (© Paula Winkler)
Bild: Milena Schloesser | Paula Winkler

Christina von Braun, geboren 1944 in Rom, drehte etwa 50 Filmdokumentationen und verfasste zahlreiche Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. 1994 wurde sie an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Sie war Gründungsdirektorin und langjährige Leiterin des ersten Studiengangs Gender Studies in Deutschland und ist Senior Research Fellow des Selma Stern Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. 2013 erhielt Christina von Braun den Sigmund-Freud-Kulturpreis. Bei Propyläen erschien Stille Post. Eine andere Familiengeschichte.

Eva von Redecker, geboren 1982, hat in Kiel, Tübingen, Cambridge und Potsdam Philosophie studiert. Von 2009 bis 2019 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berliner Humboldt-Universität, 2015 unterrichtete sie für ein Semester als Gastdozentin an der New School for Social Research in New York. Ende 2020 tritt sie ein Marie-Skłodowska-Curie-Fellowship an der Universität Verona in Italien an. Sie arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt zum autoritären Charakter und ist freischaffend publizistisch tätig. Eva von Redecker ist auf einem Biohof aufgewachsen und hat dort viel über Erdbeeranbau, Direktvermarktung und Pferdezucht gelernt. Heute lebt sie wieder auf dem Land.

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Bücher

Christina von Braun: "Geschlecht. Eine persönliche und eine politische Geschichte"

Propyläen Verlag, 2021
Gebunden, 368 Seiten
24,00 Euro (erscheint 1.3.2021)

Eva von Redecker: "Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen"

S. Fischer, 2021
Gebunden, 320 Seiten
18,00 Euro

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