Ein Mädchen hält von dem Hanadi-Turm, der durch israelische Luftangriffe beschädigt wurde und eingestürzt ist, Luftballons in die Höhe. © Mohammed Talatene/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Michael Wolffsohn - Krieg oder Föderation? – Zur Zukunft in Israel und Palästina

Michael Wolffsohn: "Die Zweistaatenlösung ist keine Lösung, sondern ein Problem."

Nach elf Tagen Raketenkrieg zwischen Israel und Hamas im Mai 2021 lohnt es sich, über neue Ideen des Miteinanders zwischen Juden und Arabern in Nahost nachzudenken. Der Philosoph Omri Boehm und der Historiker Michael Wolffsohn haben verschiedene Vorschläge für die Bildung einer jüdisch-arabischen Föderation vorgelegt.

Die viel beschworene "Zwei-Staaten-Lösung" muss ad acta gelegt werden, darin sind sie sich einig. Eine Diskussion über die Ursachen der neuen Eskalation, über den Begriff „Apartheid“ und über föderale Modelle für ein neues, friedliches Miteinander im Nahen Osten.

Hier tickt eine innenpolitische Zeitbombe, und die muss in den Griff bekommen werden, im Interesse von Juden und von Palästinensern. Ich glaube, wir beide sind uns sehr schnell darin einig, dass die Zweistaatenlösung nicht die Lösung, sondern ein Problem ist. Gesichert muss erstens das Leben und Überleben der Menschen, egal ob Palästinenser oder Israelis, und zweitens: auf der Grundlage von Selbstbestimmung, individueller Selbstbestimmung und kollektiver Selbstbestimmung. Und das ist mit der Zweistaatenlösung nicht möglich.

Michael Wolffsohn

Sehr lange haben wir mit der Illusion gelebt, dass wir weiter von der längst toten Zweistaatenlösung sprechen können. Anstatt eine echte Strategie zu haben, eine Lösung für die reale Situation. Debattiert werden muss, nach welcher föderativen Struktur wir suchen.

Omri Boehm

Gäste

Michael Wolffsohn (© Petra Castell) und Omri Boehm (© Neda Navaee)

Michael Wolffsohn, Prof. Dr., geb. 1947 in Tel Aviv, stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie, die 1939 nach Palästina fliehen musste. Seine Eltern kehrten 1954 nach Deutschland zurück. Von 1981 bis 2012 war er Professor für Neuere Geschichte an der Bundeswehruniversität München. Michael Wolffsohn veröffentlicht regelmäßig in nationalen und internationalen Medien und hat über 30 Bücher vorgelegt, unter anderem "Wem gehört das Heilige Land?" (11. Aufl. 2014).

www.wolffsohn.de

Omri Boehm, geb. 1979 in Haifa, studierte in Tel Aviv und diente beim israelischen Geheimdienst Shin Bet. In Yale promovierte er über Kants Kritik an Spinoza, heute lehrt er als Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Er ist israelischer und deutscher Staatsbürger, hat u.a. in München und Berlin geforscht und schreibt über israelische Politik in Haaretz, Die Zeit und The New York Times.

BÜCHER

OMRI BOEHM: "ISRAEL-EINE UTOPIE"

Aus dem Englischen von Michael Adrian
Propyläen Verlag 2020

Gebunden, 256 Seiten

20,00 Euro

MICHAEL WOLFSOHN: "ZUM WELTFRIEDEN - EIN POLITISCHER ENTWURF"

dtv München 2019
Taschenbuch, 216 Seiten
9,90 Euro

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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