Nora Bossong (© Thomas Ernst) und Armin Nassehi (© Hans-Günther Kaufmann)
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Demokratiecheck 5/5 - Überfordert? Wir haben gewählt

Armin Nassehi: "Der Begriff 'Krise' ist selbst in der Krise."
 
Die Debatte mit Natascha Freundel, Nora Bossong und Armin Nassehi

"Wir brauchen einen Aufbruch!!" "Die Gesellschaft ist gespalten." "Die Grünen entscheiden, wer Kanzler wird." - Erste Stimmen zu einem Wahlergebnis, das vor allem sichtbar macht, dass sich die politische Landschaft nach 16 Jahren mit Kanzlerin Angela Merkel verändert hat. Die nun zu bildende neue Regierungskoalition steht vor enormen Herausforderungen. Sind die politischen Akteure den Krisen unserer Zeit gewachsen? Oder ist die gegenwärtige Gesellschaft zwangsläufig überfordert, wie der Soziologe Armin Nassehi sagt? Die Schriftstellerin Nora Bossong wünscht sich mehr Mut und Einfallsreichtum zur Verteidigung der Demokratie. Forderungen nach mehr Gemeinschaft und Visionen allerdings helfen nicht weiter, meint Armin Nassehi.

Nora Bossong und Natascha Freundel © Thomas Ernst
Bild: Thomas Ernst

Auch die Unterschiede werden wichtig sein, um eine gute Regierungspolitik zu fundieren. Ich bin ehrlich gesagt einigermaßen euphorisch. Das ist selten bei mir nach Wahlen.

Nora Bossong

Es geht im Moment um nichts anderes als um den nächsten richtigen Schachzug. Wir haben es fast mit einer spieltheoretischen Aufstellung zu tun: Wer macht eigentlich welchen Schritt? Wer kann wem was anbieten, um bestimmte Lösungen möglicher oder unmöglicher zu machen? Ich glaube gar nicht, dass diejenigen, die sich ähnlicher sind, kreativer sind, wenn es darum geht, etwas machen zu können.

Armin Nassehi

Gäste

Nora Bossong

1982 in Bremen geboren und aufgewachsen in Hamburg, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, außerdem Kulturwissenschaft, Philosophie und Komparatistik in Berlin, Potsdam und Rom. Bossong verbindet internationale Recherchen mit sprachlicher Genauigkeit. Ihre jüngsten Bücher sind bei Suhrkamp erschienen: der Gedichtband "Kreuzzug mit Hund" (2018), der Roman "Schutzzone" (2019) und ihr neues Buch "Auch morgen. Politische Texte" (2021). Bossongs Bücher wurden vielfach prämiert, zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Wilhelm-Lehmann-Preis und dem Thomas Mann Preis 2020. Sie ist Mitglied im Verein "Arbeit an Europa" und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Armin Nassehi

geboren 1960 in Tübingen, ist seit 1998 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Universität München und seit 2012 Herausgeber der Kulturzeitschrift "Kursbuch". Er wurde vielfach ausgezeichnet. Zu seinen jüngsten Büchern gehören "Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft" (C. H. Beck 2019) sowie "Das große Nein. Eigendynamik und Tragik des gesellschaftlichen Protests! (kursbuch edition 2020). Sein aktuelles Buch "Unbehagen. Theorie einer überforderten Gesellschaft" (C. H. Beck 2021) behandelt die Corona- und die Klimakrise als "Referenzkrisen, die den soziologischen Blick anleiten". Nassehi ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Nationalstiftung. Er ist im Beirat des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft sowie stellvorsitzender Vorsitzender im Bayerischen Ethikrat. Zudem gehörte er dem Expertenrat "Corona" der Landesregierung NRW an.

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