Ukrainische Aktivisten protestieren mit "Spielkarten" in Kiew gegen den russischen Präsidenten Putin © Pavlo Gonchar
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Die Debatte mit Carla Spangenberg, Andrii Portnov und Marieluise Beck - Land am Rand? Die Ukraine und Putins Machtpoker

„Paradoxerweise hat Putins Idee, die Ukraine zu zerstören, zum großen Teil einen umgekehrten Effekt.“ – Andrii Portnov

Ein Land am Rand - so wird die Ukraine oft wahrgenommen. Doch sie liegt mitten in Europa und ist so groß wie Frankreich, Belgien und die Niederlande zusammen. Ihre staatliche Souveränität ist permanent bedroht. Für Russlands Präsident Putin gibt es keine ukrainische Nation. Mit der Krim-Annexion 2014 und dem Krieg im Donbass hat er seine geopolitischen Ansprüche unmissverständlich gezeigt. Nun droht ein neuer Russland-Ukraine-Krieg. Wie blicken die Ukrainerinnen und Ukrainer selbst auf Russland und Europa? Ist die Ukraine nur ein Spielfeld in Putins Machtpoker? Was erwarten die Ukrainer vom Westen und besonders von Deutschland?

Wir sollten uns auch fragen, was die EU und Deutschland durch einen eventuellen Verlust der Ukraine verlieren könnten. Wir denken häufig zuerst daran, dass die Beziehungen zu Russland und Putin dann schlechter wären. Aber was würde es bedeuten, wenn tatsächlich die Ukraine als Land vollkommen zerstört wäre? Die Ukraine ist ein Labor für kulturelle und politische Vielfalt mitten in Europa.

Andrii Portnov

Die Ukraine ist in den letzten Jahren förmlich aufgeblüht. Die Menschen in der Ukraine verstehen, dass Putins Russland schwer ist, dass es langsam ist. Deswegen ist die Entschiedenheit der Ukrainer, sich nicht wieder unter das Dach Russlands zu begeben, in den letzten sieben Jahren sehr gewachsen. Dazu gehört auch eine klare Westorientierung.

Marieluise Beck

Gäste

Andrii Portnov (© privat) und Marieluise Beck (© DenisKonovalov/AlexSerdyuk)
Bild: privat | DenisKonovalov/AlexSerdyuk

Andrii Portnov, geboren 1979 in Dnipropetrowsk, Ukrainische SSR, ist Professor für Entangled History of Ukraine an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Er absolvierte die Universitäten Dnipro und Warschau sowie Promotionsstudien an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften. 2012 kam er als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin nach Berlin und begann an der Humboldt-Universität zu Berlin eine Vorlesung über Ukrainistik. In seinen Veröffentlichungen widmet er sich der Geistesgeschichte, Geschichtsschreibung sowie der Völkermord- und Erinnerungsforschung in Ost- und Mitteleuropa. Sein Buch „Polen und Ukraine. Verflochtene Geschichte, geteilte Erinnerung in Europa“ wird bald von Forum Transregionale Studien Berlin erscheinen.

Marie­luise Beck, geboren 1952 in Niedersachsen, ist Direktorin Ostmitteleuropa/​Osteuropa des Zentrum Liberale Moderne (www.libmod.de). Sie war Spre­che­rin der ersten grünen Bun­des­tags­frak­tion im Jahr 1983 und bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags, zuletzt im Auswärtigen Ausschuss. Außer­dem war sie Mit­glied der Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung des Euro­pa­ra­tes. Dort schloss sie sich der Frak­tion „Allianz der Libe­ra­len und Demo­kra­ten für Europa“ (ALDE) an. Sie ist Mit­glied im Vor­stand des Peters­bur­ger Dialogs. Als Verfechterin für eine menschenrechtsorientierte Außen- und Sicherheitspolitik ist sie in Politik und Zivilgesellschaft in Russland, der Ukraine, Belarus und Südosteuropa weit vernetzt.

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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