Bühnenbild der Theateraufführung "1984" von George Orwel in Londonl
Bild: imago images / ZUMA Press

- George Orwells "1984" - ein Buch und seine Folgen

1949 erschien Orwells düstere Vision vom totalitären Überwachungsstaat. Ist sie noch aktuell? Oder ist die Angst vor "Big Brother" abgelöst vom Glauben an "Big Data"? 

Als George Orwell 1949 seine Dystopie von der total überwachten Gesellschaft veröffentlichte, hatte er die beiden großen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erfahren.

Das Buch wurde schnell übersetzt und hatte im deutschen Sprachraum eine immense Wirkung. Wer in der DDR mit einem geschmuggelten Exemplar von "1984" erwischt wurde, musste mit Freiheitsentzug rechnen. Wie Baldur Haase, der in den 1950ern deswegen drei Jahre in Haft kam.

 

Das Gerät lauscht 24 Stunden am Tag in meiner Wohnung, weil es darauf lauert, dass ich das Wort "Alexa" sage. Sobald es dieses Wort "hört", zeichnet es die nachfolgenden Sätze auf und sendet diese zur Analyse zu den Rechnern in der Amazon-Cloud. Dort wird mein Text übersetzt, analysiert und dann werden Aktionen fernausgelöst. Die sogenannten "Sprachassistenten" sind die lästige Ergänzung zum totalen Überwachungssystem, das sich "smart" nennt, aber teuflisch ist.

 

In der Bundesrepublik der 1970er und 80er Jahre beriefen sich die Gegner der Volkszählung auf Orwells Roman, wenn sie warnten, Datenerfassung führe in einen neuen Faschismus. Und heute? Ist Orwells düstere Vision im Zeitalter der Digitalisierung überholt? Die Angst vorm Überwachungsstaat abgelöst vom Glauben an Big Data und der Lust an Fake-News?

Von Lorenz Hoffmann
Regie: Wolfgang Rindfleisch
Produktion: MDR 2019
Erste Ausstrahlung