Zaun an der bulgarisch-türkischen Grenze
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Familienbande - Fluchtweg übers Bruderland

Die bulgarisch-türkische Grenze
Von Rayna Breuer

Dort, wo es Tötungen gab, in der Regel von Grenzsoldaten verübt, ist die Frage, wer den Befehl gegeben hat. Es ist also sehr schwer Ermittlungen zum Erfolg zu bringen und den Schuldigen zu finden.

Dimitar Ludjev, stellvertretender Ministerpräsident in den Jahren nach der Wende und bis 1992 Verteidigungsminister


Im Herbst 1988 versucht Hendrik mit einem Freund aus der DDR zu fliehen. Es hält sich die, wahrscheinlich von der Staatssicherheit gestreute Mär, die bulgarisch-türkische Grenze sei leicht zu überwinden.

Tatsächlich aber werden DDR-Bürger, bei denen Fluchtverdacht besteht, ab ihrer Einreise in Bulgarien überwacht. Die Grenzer spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ihre Belohnung für jeden gefassten Flüchtling: Geld, Armbanduhren, Sonderurlaub.

Auch das Töten wird mit hohen Geldprämien belohnt. Bis heute wird darüber weitestgehend geschwiegen. Nach aktuellem Sachstand haben bis 1989 rund 2.000 DDR-Bürger versucht, über Bulgarien in den Westen zu gelangen. 500 Menschen gelang der Fluchtversuch, circa 1.500 wurden gefasst. Andere wurden von bulgarischen Grenztruppen erschossen.

Mindestens 18 Fälle sind belegt. Die Dunkelziffer wird auf 100 Tote geschätzt. Heute wird die Grenze erneut bewacht. In die andere Richtung. Asylsuchende, die sich am Grenzübergang melden, werden inhaftiert.

Regie: Andreas Meinetsberger
Produktion: MDR 2019
Erste Ausstrahlung

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