Mit lila Wasserfarbe erzeugter Kinderhandabdruck
Bild: imago images / blickwinkel

- SuperNanny goes Kinderladen

Vierzig Jahre antiautoritäre Erziehung und die Folgen

Ich kann mich erinnern an große Feuer, die wir gemacht haben. Wir sind mit 'nem Käfer rumgefahren, durften lenken, konnten da Autofahren (lacht). Natürlich saß ein Erzieher unter uns, aber das sind Sachen, die sind heute nicht mehr denkbar. Die arbeiten viel abgesicherter. Ich habe das Gefühl, die sind angreifbarer. Die Eltern waren einfach sehr offen für Experimente.

Anja Franke, Schauspielerin, ging in einen der ersten West-Berliner Kinderläden

"Mao verdrängt das Rotkäppchen!" Wenn sich die aufgebrachte Öffentlichkeit Ende der Sechzigerjahre mit den antiautoritären Kinderläden auseinandersetzte, wurde heftig polemisiert.

Und es war in der Tat ein wilder pädagogischer Aufbruch, ein provozierender, einer, der mit biografisch motivierter Wut und gehörigem Omnipotenzwahn gegen die rigiden Ordnungssysteme der Festung Erziehung anstürmte. Letztendlich erfolgreich.

Gerade deshalb tönt es noch heute: Die antiautoritäre Erziehung ist schuld! Die heutigen Kinder? Oftmals kleine Tyrannen, die ihren hilflosen Eltern, Erziehern und Lehrern auf dem Kopf herumtanzen und nichts notwendiger brauchen als eine Supernanny.

Von Detlef Berentzen

Regie: Sabine Ranzinger
Produktion: rbb/SWR 2008