Leipzig, Henriettenstraße 2019 und 1988; © Deutschlandradio/Manuel Waltz; Montage: rbbKultur
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- Liebe in Zeiten der Schichtarbeit

Durch ein Notizheftchen hielt 1988/89 ein unbekanntes Liebespaar ihre Beziehung aufrecht. Im asynchronen Takt ihrer Schichtarbeit. Ein unzulässig intimer Einblick in das Privatleben zweier Unbekannter oder ein Zeitdokument?  

Habe mich riesig gefreut, dass Du die Betten gemacht hast. Danke!
Die Zahlen vom Lotto diese Woche: 5 - 20 - 25 - 30 - 32. Leider haben wir nichts. Schade!
Habe uns ein neues Büchlein gekauft, da das alte voll ist.

Aus dem Tagebuch

Die Entrümpelung eines leer stehenden Hauses in einem früheren Leipziger Arbeiterviertel fördert ein unscheinbares Notizheftchen zutage. Es ist randvoll gekritzelt mit Liebesschwüren und Alltagsgeschichten. Über ein Jahr lang, 1988/89, hält ein junges Paar – werdende Eltern – durch das Heft eine Beziehung aufrecht. Im asynchronen Takt der Schichtarbeit. Doch bald rauscht die Geschichte über sie hinweg: Mauerfall, Kollaps der Industrie, Wegzug der Arbeiter, ein bisschen Anarchie auf den Trümmern der DDR.

30 Jahre später fragen sich Manuel Waltz und Marcel Raabe, wie sie mit dem Notizheft umgehen sollen. Ob es ein unzulässig intimer Einblick in das Privatleben zweier Unbekannter oder ein Zeitdokument ist. Da kommt ihnen der Zufall zu Hilfe: Der erwachsene Sohn der Liebenden taucht auf. Und mit ihm seine Mutter.

Von Manuel Waltz und Marcel Raabe

Regie: Matthias Kapohl
Produktion: Dlf 2019