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- Oury Jalloh und die Toten vom Polizeirevier Dessau

Chronik eines deutschen Skandals

So könnte es gewesen sein. Eine Abreibung, die aus dem Ruder lief und die man später mit krimineller Energie vertuscht hat. Aber war es auch so? Lassen sich andere Motive ausschließen? Rassismus? Oder Sadismus in Uniform.

Margot Overath

Dessau, 2005: Ein Asylbewerber aus Afrika verbrennt in Polizeigewahrsam. Der an Händen und Füßen Gefesselte habe sich selbst angezündet, behaupten die Beamten. 15 Jahre lang scheitert die Justiz daran, den Fall aufzuklären. Über ein Jahrzehnt hat Margot Overath den Fall verfolgt, Akten studiert, mit Zeugen, Staatsanwälten, Brandexperten und Rechtsmedizinern gesprochen. Sie geht auch zwei weiteren Fällen nach: Mario B., der zwei Jahre vor Oury Jalloh in derselben Zelle starb und Hans-Jürgen R., der 1997 sterbend in der Nähe des Reviers gefunden wurde. Ihre Recherchen führen Overath in eine Gemengelage aus offenem Alltagsrassismus und gewaltbereitem Rechtsradikalismus. Das Feature stellt die Frage, ob Korpsgeist und falsch verstandene Loyalitäten in Strafverfolgungsbehörden zur Gefahr für den Rechtsstaat werden.

Von Margot Overath
Regie: Nikolai von Koslowski
Produktion: WDR/MDR/NDR 2020
- Ursendung -

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Gedenken an Oury Jalloh © Jens Wolf/dpa
Jens Wolf/dpa

Warum musste Oury Jalloh sterben?

Oury Jalloh, 36 Jahre alt, wurde im Januar 2005 in einer Zelle in einem Polizeirevier in Dessau tot aufgefunden. Seit 15 Jahren stehen Zweifel und schwere Vorwürfe im Raum, so schwer, dass der Landtag Sachsen-Anhalt Anfang des Jahres zwei Sonderermittler eingesetzt hat. Die Frage, was geschehen ist, beschäftigt nicht nur die Justiz, sondern auch die Autorin und Journalistin Margot Overath, deren Feature "Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau" heute Abend um 22.04h auf rbbKultur zu hören sein wird. Wir haben mir ihr über den Fall und ihre Recherche gesprochen.