Überwuchert und vernachlässigt: Der alte jüdische Friedhof von Lypowez; © Lars Meyer
Lars Meyer
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- In Lypowez – ein ukrainisches Städtchen

Fast alle 2000 Bewohner des Ghettos von Lypowez wurden am Stadtrand erschossen. Ihre Gräber lagen hier Jahrzehnte unbeachtet. Wer kümmert sich um Gebeine und Gedenken? Was weiß das ukrainische Städtchen von seiner jüdischen Vergangenheit?

Wladimir Kukurusa ist einer der letzten Juden in Lypowez, einem kleinen ukrainische Städtchen, 200 Kilometer von Kiew entfernt. Vier Jahre lang, von Sommer 1941 bis Frühjahr 1944, lebte Wladimir mit seiner Mutter und drei Geschwistern versteckt im Haus einer nichtjüdischen Verwandten.

Er spricht von der Angst, die sie hatten, wenn deutsche Soldaten ins Haus kamen und von Strafaktionen der SS, die er durchs Fenster beobachtete. Auf Knien ließen sie die Einheimischen die Straße wischen. Von den Massenerschießungen am Stadtrand, bei denen die Deutschen fast alle 2.000 Bewohner des Ghettos von Lypowez ermordeten, erfährt Kukurusa erst im Erwachsenenalter.

Eine Baumgruppe in einem Sonnenblumenfeld. Jahrzehnte lagen die Gräber hier unbeachtet und ungeschützt, noch heute wühlen Tiere Knochen an die Oberfläche. Wer kümmert sich um die Gebeine, wer um das Gedenken? Was weiß das ukrainische Städtchen Lypowez von seiner jüdischen Vergangenheit?

Von Lorenz Hoffmann und Lars Meyer

Regie: Wolfgang Rindfleisch
Produktion: MDR 2020
Ursendung

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