Herbst 1929 - Schatten über Babylon (5/6) © rbb
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Eine sechsteilige Podcastserie von Volker Heise - Herbst 1929 - Schatten über Babylon (5/6)

Teil 5: Die blinde Wut

Anfang November haben zehn Prozent der Wahlberechtigten dem Volksbegehren gegen den Young-Plan zugestimmt, es muss im Parlament verhandelt werden. Der Börsencrash hat Tod und Elend zur Folge. Die Arbeitslosenzahlen steigen, amerikanische Banken ziehen Geld aus Deutschland ab, Unternehmen und Kommunen geht langsam das Geld aus. Zur gleichen Zeit wird Berlin von einem Korruptionsskandal erschüttert. Stadträte werden verhaftet, der Stuhl des Bürgermeisters wackelt. In den neuen Babelsberger Filmstudios beginnen die Dreharbeiten für „Der blaue Engel“. Bei der Sichtung erster Ausschnitte prophezeit Heinrich Mann, die Oberschenkel der Dietrich würden ein größerer Erfolg als die Schauspielkunst des Hauptdarstellers. Emil Jannings dreht durch.

Idee und Buch: Volker Heise
Musik: Thomas Fehlmann
Schnitt/Produktion: Stephan Lindner
Recherche: Lea Brinkschulte
Produktion: rbb/WDR/RB 2020

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Herbst 1929 - Schatten über Babylon (1/6) © rbb
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Herbst 1929(1/6): Die graue Eminenz

Spätsommer 1929 – Die Weimarer Republik feiert ihren zehnten Geburtstag. Außenminister Gustav Stresemann handelt mit den Alliierten den Young-Plan aus, der die deutschen Reparationszahlungen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg endgültig regeln soll. Die Zeitungsstadt Berlin erlebt derweil ihre Blüte, denn in der Hauptstadt gibt es dutzende Tageszeitungen und unzählige Magazine für jeden Geschmack. Der einflussreiche Verleger und Monarchist Alfred Hugenberg, dem unter anderem auch die UFA gehört, verbündet sich mit dem aufstrebenden NSDAP-Politiker Adolf Hitler. Er gilt als graue Eminenz des rechten Blocks. Im August kommt der erfolgreiche Hollywood-Regisseur Josef von Sternberg in Berlin an, er soll den ersten großen Tonfilm der UFA machen, hat aber weder Stoff noch Drehbuch. Die noch unbekannte Schauspielerin Marlene Dietrich tanzt in einer Revue und hat wenig Erfolg im Film. Niemand rechnet mit ihr.

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Herbst 1929 - Schatten über Babylon (2/6) © rbb
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Herbst 1929(2/6): Das laute Bild

Eine neue Zeit bricht an, der Bild wird laut: der Tonfilm erobert das Kino und das Radio macht den Zeitungen Konkurrenz - es ist schneller und man kann es hören. Hollywood-Regisseur Josef von Sternberg, der den ersten großen Tonfilm der UFA machen soll, hat einen Stoff für seinen Film gefunden, ein Drehbuch ist in Arbeit, der Film soll „Der blaue Engel“ heißen. Nur eine Hauptdarstellerin fehlt ihm noch. Von Marlene Dietrich hat er noch nie gehört. Medien-Mogul Hugenberg lässt vor den Toren Berlins in Babelsberg neue Studios bauen. Viele seiner Mitarbeiter sind Juden, was nichts am antisemitischen Tenor seiner Zeitungen ändert. Er kündigt ein Volksbegehren gegen den Young-Plan an, den Außenminister Stresemann erfolgreich in Den Haag verhandelt hat. Aber Stresemann lässt sich nicht beirren.

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Herbst 1929 - Schatten über Babylon (3/6) © rbb
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Herbst 1929(3/6): Der frühe Tod

Filmregisseur von Sternberg glaubt seine Hauptdarstellerin gefunden zu haben: Marlene Dietrich. Doch er stößt auf Widerstand. Die UFA-Bosse legen ihr Veto ein. Auch dem Star des Films, Emil Jannings, gefällt die Idee überhaupt nicht. Der Oscar Preisträger verdient mit einer Gage von 250.000 Reichsmark zehn Mal so viel wie seine Kollegin. Mit dem frühen Tod von Gustav Stresemann verliert die Weimarer Republik ihren Außenminister und den wichtigsten Gegenspieler der Republikfeinde. Hugenbergs Zeitungen schießen schärfer gegen den Young-Plan als je und verbreiten Verschwörungstheorien. Ein Attentat erschüttert das Land: Neben dem Reichstag explodiert eine Bombe. Sie ist nicht die einzige.

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Herbst 1929 - Schatten über Babylon (4/6) © rbb
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Herbst 1929 (4/6): Das ferne Beben

Im Oktober ziehen dunkle Wolken auf, die Industrieproduktion stockt, der Welthandel beginnt zu lahmen, bei den ersten Banken kriselt es. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Regierung ist nach Stresemanns Tod zerstritten. Der Verleger und Politiker Hugenberg macht internationale Verschwörungen verantwortlich für die aufziehende Krise und agitiert mit dem Nationalsozialisten Adolf Hitler gegen die Republik. Josef von Sternberg macht Marlene Dietrich gegen alle Widerstände zur Hauptdarstellerin in seinem neuen Film „Der blaue Engel“. Die UFA engagiert als Komponisten Friedrich Hollaender. Gedreht werden soll in den drei Sprachen für den internationalen Markt: deutsch, englisch, französisch. Ende des Monats beginnt eine schwarze Woche an der New Yorker Wall Street löst Panik aus. Bald wird das ferne Beben auch Berlin erreichen.

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Herbst 1929 (5/6): Die blinde Wut

Anfang November haben zehn Prozent der Wahlberechtigten dem Volksbegehren gegen den Young-Plan zugestimmt, es muss im Parlament verhandelt werden. Der Börsencrash hat Tod und Elend zur Folge. Die Arbeitslosenzahlen steigen, amerikanische Banken ziehen Geld aus Deutschland ab, Unternehmen und Kommunen geht langsam das Geld aus. In den neuen Babelsberger Filmstudios beginnen die Dreharbeiten für „Der blaue Engel“. Bei der Sichtung erster Ausschnitte prophezeit Heinrich Mann, die Oberschenkel der Dietrich würden ein größerer Erfolg als die Schauspielkunst des Hauptdarstellers. Emil Jannings dreht durch.

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Herbst 1929 - Schatten über Babylon (6/6) © rbb
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Herbst 1929(6/6): Die letzte Premiere

Im Dezember scheitert das Volksbegehren gegen den Young-Plan deutlich. Hugenberg scheint geschlagen, die Republik gestärkt. Aber in der Weimarer Republik hat sich eine neue Front gebildet: aus den bürgerlichen Rechten und den Schlägern der NSDAP. Sie sollen für Hugenberg die Drecksarbeit machen. In Thüringen wird mit Wilhelm Frick das erste NSDAP-Mitglied Minister. In Babelsberg enden gleichzeitig die Dreharbeiten für den blauen Engel in Hugenbergs UFA-Studios. Im März zerbricht die Große Koalition, eine bürgerliche Minderheitsregierung tritt an und drängt die SPD aus der Verantwortung. Die deutsche Politik bewegt sich auf den Abgrund zu. Im April soll „Der blaue Engel“ in Berlin uraufgeführt werden. Marlene Dietrich hat schon ein Ticket für Hollywood in der Tasche. Sie ist überzeugt: der Film wird ein Misserfolg.

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