Eingang zur ehemaligen "Kommunalpoliklinik" in Rostock © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
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Ein verschwiegenes Kapitel der DDR-Geschichte - Tripperburg

Mit 15 Jahren brachten DDR Transportpolizisten Susanne in die Geschlossene Krankenanstalt in Leipzig. Angeblich weil sie geschlechtskrank war. Heute, nachdem sie ihre Patientenakten einsehen konnte, weiß Susanne, dass sie gar nicht geschlechtskrank war.

Es gab fast keine Frau, die vorher bei einem Arzt war, oder bei der vorher eine Krankheit festgestellt wurde - und trotzdem kamen sie in die Anstalt.

Steffi Brüning, Historikerin

Es begann mit Eleonore. Noch heute wird sie in ihrem Rostocker Stadtteil das Stigma der "Hafendirne" nicht los. Eleonore, die nicht krankenversichert ist und mit 71 Jahren in der Apotheke um die Ecke putzt. Ende der 60er-Jahre war Eleonore eine lebenslustige junge Frau. Sie ging oft aus, tanzte und amüsierte sich nächtelang mit Seemännern aus Vietnam, Italien und Griechenland.

1969, als 25-Jährige, wird sie zum ersten Mal in die "Tripperburg" in Rostock eingewiesen. Tripperburg? Das war eine geschlossene Venerologische Station der Poliklinik. Eine Station mit Gitterstäben vor den Fenstern, ohne Hofgang, ohne Besuchsrecht – für Frauen, die geschlechtskrank waren oder verdächtigt wurden, geschlechtskrank zu sein.

Das Feature dokumentiert die Spurensuche eines bis dato nicht aufgearbeiteten Kapitels der DDR-Geschichte, über das so lange erfolgreich geschwiegen wurde.

Von Nathalie Nad-Abonji

Regie: Friederike Wigger
Produktion: rbb/NDR 2017

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