Klavierfantasie in C-moll, Notenhandschrift und Portrait von Johann Sebastian Bach, 1685 - 1750 (Bild: imago images/imagebroker)
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- Sein Blut komme über uns ...

Wie antijüdisch sind Bachs Passionen?

Johann Sebastian Bach sei der 5. Evangelist – dieses Bonmot beschreibt eine grundlegende Faszination der Bach‘schen Musik. In seinen Passionen dramatisiert er das Ostergeschehen nach den Evangelisten Johannes und Matthäus in einer Weise, die sich hinter keiner Hollywood-Verfilmung verstecken muss. Vor allem die Chöre fassen das Hin und Her von Priestern und Zuschauern beim Prozess in aufwühlende, wunderbare Musik.

Wer einmal diese sogenannten Turba-Chöre gesungen hat, weiß: näher ans Kreuz geht nicht. Nur: Die Texte sind problematisch. Denn Christen haben seit Entstehung des Neuen Testaments dem jüdischen Volk in den Mund gelegt, die Todesstrafe für Jesus zu fordern. Eine Abgrenzung, oft mit Gewalt. Antijudaismus in musikalischer Perfektion – darf man das noch singen?

Von Kirsten Dietrich