Ivan Blatný © Christine Nagel
Christine Nagel
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Hörspiel mit Jennipher Antoni, Sebastian Rudolph u.a. - Blatnýs Kopf oder: Gott der Linguist lehrt uns atmen

Ein Leben für die Lyrik! Dafür unternimmt der tschechische Dichter Ivan Blatný eine ungewöhnliche Reise: Von Prag nach England und dort in eine Psychiatrie. Freiwillig. Er will schreiben. Nichts sonst. Sein Leben lang.

Gestern hat jemand nach dem Surrealismus gefragt. Ich wusste auf die Schnelle nicht, wie ich ihn definieren soll und sagte, dass er nicht logisch ist. Unlogisch bis zur Sinnlosigkeit. Aber weil die Wörter etwas bedeuten, jedes Wort, ist das so eine Art von Musik der Bedeutungen.

Ivan Blatný

Der tschechische Lyriker Ivan Blatný (1919 –1990) galt viele Jahre als verschollen. Eine Lesereise nach England nutzte er 1948 zur Flucht aus der Tschechoslowakei und wurde daraufhin zur persona non grata erklärt. Staaten-und mittellos war Blatný von nun an. Er suchte Schutz hinter den Mauern einer englischen Psychiatrie. Doch seine wahre Zuflucht fand Blatný im Schreiben.

Mit 280 000 Versen auf 5500 Notizbuchseiten, auf Tschechisch, Französisch, Englisch und Deutsch, erfüllte er sich seinen Lebenswunsch: im Schreiben existieren zu können. Sprache war ihm Lust und wahres Vergnügen. "Words words says Hamlet desperately/ I love the words says Monika/ wie Streuobstwiesen die blühten/ wie Tee der Jetley heißt/ das ist das Erwachen des Dichters."

Von Christine Nagel

Mit Lisa Hrdina, Werner Rehm, Jennipher Antoni, Sebastian Rudolph, Jan Faktor, Tobias Christl, Miroslav Kovarik, Katrin Knappe
Regie: Christine Nagel
Produktion: rbb/DLF 2018