Helene Bukowksi; © Rabea Edel
Bild: Rabea Edel

Ein dystopisches Debüt - Helene Bukowski: "Milchzähne"

Im Literarischen Gespräch redet Nadine Kreuzahler mit Helene Bukowski über Milchzähne als Symbol, über Vorbilder und das Literaturinstitut als Schutzraum.

Mit ihrem berühmten Namensvetter Charles und seiner schnapsgetränkten Männer-Literatur kann die 26-jährige Helene Bukowski nur wenig anfangen. In ihrem Debütroman "Milchzähne" entwirft die Berlinerin eine flirrende, beklemmende und atmosphärisch dichte Dystopie rund um ein ungewöhnliches Mutter-Tochter-Paar nach einer Klimakatastrophe.

Edith und Skalde leben völlig zurückgezogen in einem Haus am Rande eines Kiefernwaldes. Edith, die Einzelgängerin, ist einst als Fremde in diese Gegend gekommen. Nach dem Tod ihres Mannes leben sie und ihre Tochter Skalde allein. Sie sind Außenseiterinnen, geduldet, aber nicht gemocht.

"Glaubst du nicht, dass es auch einmal anders sein kann? Die Leute sind müde geworden."

"In dieser Hinsicht werden sie sich nie ändern."

"Wieso bist du dir da so sicher?"

"Du hast nicht erlebt, wie es war. Sie haben lieber Äpfel auf dem Kompost verrotten lassen, als mir einen abzugeben."


Der Roman spielt in einer unbestimmten Zeit, an einem nicht näher definierten Ort. Die Menschen hier wollen keine Fremden. Um sich abzuschotten, haben sie schon vor Jahren die einzige Brücke über den Fluss gesprengt.  Es hat aufgehört zu regnen, es wird immer heißer, der Boden ist trocken, die Tiere verlieren erst ihre Farbe, dann sterben sie.

Die Menschen leben von Vorräten, die sie sich vor langer Zeit angelegt haben, von Wurzeln und dem Bisschen, was die Erde noch hergibt. Helene Bukowski entwirft ein düsteres Szenario in ihrem Roman. Geschrieben hat sie ihn zum Teil im Extrem-Sommer des letzten Jahres.

Ich arbeite gerne viel mit Beobachtungen, ich nehme wahr und notiere, und der Klimawandel ist ein großes Thema und deswegen war es mir wichtig, das in diesem Buch zu verhandeln. Im letzten Jahr war ja der Sommer so extrem und das war wie eine selbsterfüllende Prophezeiung ein bisschen.

Helene Bukowski


"Milchzähne" lebt von Spannungen und Stimmungen. Es geht um Heimat und Fernweh, um Zugehörigkeit und Fremde, um die Natur als Zufluchtsort und die Natur als Feind.

Im Literarischen Gespräch redet Nadine Kreuzahler mit Helene Bukowski über Zukunftsvisionen, Milchzähnen als Symbol, über Vorbilder und das Literaturinstitut als Schutzraum.

Service

Helene Bukowski: Milchzähne; Montage: rbbKultur
Blumenbar

Roman - Helene Bukowski: "Milchzähne"

Blumenbar
ISBN 978-3-351-05068-9
Gebunden, 256 Seiten
20 Euro

Helene Bukowski

ist 26 Jahre alt, in Berlin geboren und aufgewachsen, und studiert Literarisches Schreiben in Hildesheim. 2016 war sie zur Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin eingeladen. Sie hat Texte in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. "Milchzähne" ist ihr erster Roman.