Burkhard Spinnen, im LCB-Berlin, 2009; © imago images/Gerhard Leber
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Das Literarische Gespräch - Burkhard Spinnen: "Rückwind"

In seinem neuen Roman "Rückwind" erzählt Burkhard Spinnen eine moderne Hiobs-Geschichte. Von einem, der ganz oben ist und plötzlich ganz tief fällt. Angetrieben von der großen Frage nach dem "Warum" zieht der Hiob der Jetzt-Zeit durch Berlin. Nur muss er dabei ohne den Glauben an Gott auskommen.

Hartmut Trössner hat alles: ein global operierendes milliardenschweres Windradimperium, ein energieeffizientes Haus am Wald, eine wunderschöne Frau, die noch dazu als Fernsehschauspielerin berühmt und populär ist und einen passablen neunjährigen Sohn. Aber dann verliert er all das an einem einzigen Tag.

Nach Monaten in der Psychiatrie und in Reha-Einrichtungen kann er nirgendwohin zurück. Da ist kein Leben, das auf ihn wartet. Er fährt nach Berlin auf der Suche nach Antwort auf die Frage: Warum?

Ich persönlich bin ein Mensch, der oben im Himmel – leider, möchte ich fast sagen – keinen Gott hat, an den er sich wenden kann. Und bei all dem, was einem so im Alltag passiert, besonders bei den unangenehmen Dingen, fragt man sich ja doch, ob da nicht doch irgendwo gerechnet wird, ob da doch irgendwo etwas in ein Buch geschrieben und Strafen verhängt werden. Ob das in irgendeinem sinnvollen Zusammenhang steht zu einem selbst. Jahrtausende lang haben die Menschen mit großer Selbstverständlichkeit so gedacht, in dem sie das was ihnen passierte, auf eine höhere Instanz zurückgeführt haben. Das können wir heute flächendeckend nicht mehr und mich hat interessiert, wie man mit so einem Verlust umgeht und es musste natürlich ein bedeutender Verlust sein.

Burkhard Spinnen


Was ersetzt heute den Glauben an Gott? Ist überhaupt Platz dafür in einer Welt, die von Rhetorik-Geschick, Marktüberlegungen, Einschaltquoten und Verkaufsstrategien beherrscht wird?

Burkhard Spinnen stellt einen Mann in den Mittelpunkt, dessen einziges Talent das Reden und Verkaufen ist und der sich am Ende verstrickt in einem Spiel aus Fiktion und Wirklichkeit. Teil davon ist eine Fernsehserie über eine populistische rechte Partei, die ein Quotenhit ist und Menschen im echten Leben gegeneinander aufwiegelt. Eine Idee, die sich durch die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und in Europa noch kurz vor Schluss in das Buch gedrängt hat.

Darüber und über Glauben und Nicht-Glauben, über die lange Geburt des Romans und über die Schwierigkeit, über aktuelle Politik zu schreiben, unterhält sich Nadine Kreuzahler mit Burkhard Spinnen im Literarischen Gespräch.

Service

Burkhard Spinnen: Rückwind; Montage: rbbKultur
Schöffling & Co.

Burkhard Spinnen: "Rückwind"

Schöffling & Co.
ISBN 978-3-89561-049-3
400 Seiten, gebunden
24,00 Euro

Burkhard Spinnen,

Jahrgang 1956, schreibt Erzählungen, Romane, Kinderbücher, Essays und Literaturkritiken. Er ist vielfach ausgezeichnet worden und war viele Jahre in der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises. Von 2008 bis 2014 war er Juryvorsitzender. Spinnen lebt in Münster.