Jan Peter Bremer und Anne-Dore Krohn; © Carsten Kampf
Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf Download (mp3, 23 MB)

Das literarische Gespräch - Jan Peter Bremer: "Der junge Doktorand"

Im Literarischen Gespräch erzählt Jan Peter Bremer, wie er zu den Stimmen seiner drei Figuren gefunden hat, welche Ansprüche er selbst an sich als Künstler stellt – und warum ihn seine Romanfiguren manchmal selbst überraschen.

Am Mikrofon: Anne-Dore Krohn

Ein Künstler und seine Frau leben abgeschieden in der Provinz. Erfolg hat er nicht mehr mit seinen Bildern, doch er hofft immer noch auf Aufmerksamkeit, zieht sich täglich in sein Atelier unter dem Dach zurück und malt. Seine Frau langweilt sich, die Ehe ist in die Jahre gekommen, manchmal vergisst sie sogar, dass ihr Mann auch da ist.

Doch es gibt Hoffnung: Ein junger Doktorand hat sich angekündigt, er möchte seine Doktorarbeit über den Künstler schreiben. Leider sagt er seinen Besuch immer wieder ab – und je länger sie warten, desto höher werden die Erwartungen der beiden an ihn. Beide malen sich unabhängig voneinander aus, wie viel schöner ihr Leben mit dem Doktoranden wäre. Doch als er dann eines Tages tatsächlich kommt, ist er ganz anders als gedacht.

Jan Peter Bremers neuer Roman ist ein großartiges Kabinettstück: ein Haus, ein Vormittag, drei Personen. Und jede Menge Lebenslügen, Selbsttäuschungen, Projektionen. Mit großer analytischer Sensibilität erzählt Bremer von einer Ehe, die in die Jahre gekommen ist, geprägt von tief eingefahrenen Rollenmustern, Enttäuschungen und Verletzungen, und von einem jungen Mann, der mit den Erwartungen kämpft, die an ihn gestellt werden.

Das ist komisch und tragisch gleichzeitig, und sprachlich elegant und gewandt erzählt. Abwechselnd ergreifen der Künstler, seine Frau und der Doktorand das Wort, und das Buch gipfelt in einem seitenlangen, rhetorisch brillant geschriebenen Streitgespräch.

Ein schmaler, aber schwerwiegender Roman: Nicht zuletzt wirft Bremer in "Der junge Doktorand" nämlich auch grundsätzliche Fragen eines Künstlerdaseins auf. Wie schafft man einen gelungenen Lebensweg zwischen Selbstzweifeln und Selbstüberschätzung? Wie viel Aufmerksamkeit benötigt das eigene Werk?

Der Autor

Jan Peter Bremer

wurde 1965 in Berlin Charlottenburg geboren und wuchs auf dem Land bei Dannenberg auf, bevor er wieder zurück nach Berlin zog. Von Bremer erschienen u.a. "Der Fürst spricht" (1996), "Feuersalamander" (2000), "Still Leben" (2006) und "Der amerikanische Investor" (2011)