Isabel Allende bei einer Lesung im Haus des Rundfunks; © Thomas Ernst
Bild: Thomas Ernst

Das Literarische Gespräch - "Mein Herz ist zweigeteilt"

Isabel Allende und ihr neuer Roman über Flucht und Exil: "Dieser weite Weg"

Isabel Allende ist ein Star der Literaturwelt: über 60 Millionen verkaufte Bücher weltweit. Gleich ihr erster Roman machte die Chilenin 1982 berühmt. "Das Geisterhaus" war ein internationaler Bestseller und mit Meryl Streep in der Hauptrolle auch ein Kinohit. Seitdem ist viel passiert. In diesem Jahr feierte Isabel Allende den 77. Geburtstag. Sie beschenkte sich mit einem neuen Roman: "Dieser weite Weg". Nadine Kreuzahler hat Isabel Allende zum Literarischen Gespräch in Berlin getroffen.

Isabel Allende hat kein Problem damit, auf ihr Alter angesprochen zu werden. Im Gegenteil. Sie sei stolz darauf, sagt sie. 77 ist sie im August geworden. Sie ist klein, zierlich und elegant gekleidet, hat ein offenes und sympathisches Lachen. Mit ihrem neuen Buch war sie gerade auf Lesereise durch Europa. Mit den Gedanken ist Isabel Allende aber gerade vor allem in ihrem Heimatland Chile. Die Situation dort macht ihr Sorgen: "Wenn ich sehe, wie das Militär auf der Straße Leute zusammenschlägt – das erinnert mich an die Zeit der Diktatur", sagt Allende. "Mich zieht es nach Chile, ich will da sein, will auch auf die Straße gehen. Ich lebe zwar in Kalifornien. Aber mein Herz ist zweigeteilt."

Um Chile geht es auch in ihrem neuen Roman "Dieser weite Weg". Er erzählt die Geschichte von spanischen Bürgerkriegsflüchtlingen. Eine halbe Million machten sich 1939, nach dem Sieg der Faschisten um General Franco, zu Fuß auf den Weg von Katalonien nach Frankreich. Dort wurden sie in improvisierten Lagern untergebracht. "Die Menschen dort hatten nichts – kein Essen, kein fließendes Wasser, keine Latrinen, keinen Schutz vor der Kälte", erzählt Isabel Allende über ihre Recherchen. "Die Franzosen wollten die Flüchtlinge schnell wieder loswerden. Mexiko hat später vielen von ihnen Asyl gewährt."

Ein kleiner Teil – um die 2.000 Flüchtlinge – konnte mit einem Schiff nach Chile ausreisen. Der Dichter Pablo Neruda hatte sich persönlich bei der chilenischen Regierung dafür eingesetzt und finanzielle Mittel aufgetrieben. Unter den Flüchtlingen war auch ein gewisser Victor Pey. Isabel Allende traf ihn während ihrer eigenen Zeit im Exil in Venezuela. Seine Lebensgeschichte hat Isabel Allende zu ihrem Roman inspiriert.

Warum sie 40 Jahre brauchte, um die Geschichte zu erzählen, was Schreiben für sie bedeutet und warum ihr Roman auch ein Kommentar zur aktuellen Flüchtlingssituation weltweit ist, darüber unterhält sich Nadine Kreuzahler mit Isabel Allende im Literarischen Gespräch bei rbb Kultur.

Zur Autorin

Isabel Allende

wird am 2. August 1942 als Kind chilenischer Diplomaten in Lima, Peru geboren. Sie wächst mehrsprachig auf und geht in La Paz, Beirut und Santiago de Chile zur Schule. Sie arbeitet als Journalistin und Fernsehmoderatorin, bis sie 1975 – zwei Jahre nach dem Militärputsch von Augusto Pinochet – ins Exil nach Venezuela geht. Dort schreibt sie 1982 ihren ersten Roman: "Das Geisterhaus". Er wird zum Überraschungserfolg und weltweiten Bestseller. Seitdem hat sie mehr als 60 Millionen Bücher verkauft.

Ihre Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Schon Ende der Achtzigerjahre zog sie der Liebe wegen nach Kalifornien. Dort lebt sie heute mit ihrem dritten Mann.