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- Brit Bennett: Die verschwindende Hälfte (16/30)

Gelesen von Tessa Mittelstaedt

Tessa Mittelstaedt © Frederic Kern/Geisler-Fotopress/dpa
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Schon als Kind hat sich Stella gern als Weiße ausgegeben. Nachdem sie aus Mallard abgehauen ist, einem Ort in Louisiana, in dem die Farbigen besonders hellhäutig sind, ist Stella vollends in die Rolle einer Weißen geschlüpft. Sie hat Blake Sanders geheiratet und eine blonde blauäugig Tochter zur Welt gebracht. Nun befürchtet sie aufzufliegen. In ihrem Viertel in Los Angeles, in dem sonst nur reiche Weiße wohnen, ist eine schwarze Familie eingezogen. Ausgerechnet jetzt, wo Martin Luther King ermordet wurde und überall im Lande Unruhen ausgebrochen sind. Wochenlang hat Stella den Kontakt mit den neuen Nachbarn, dem Schauspieler Reginald Walker und seiner Frau Loretta, gemieden und Lügen verbreitet. Doch geplagt von einem schlechten Gewissen will sich Stella entschulden, backt einen Kuchen und geht hinüber zu Loretta. Dort haben sich gerade einige farbige Frauen versammelt, trinken Wein und hören Musik von Aretha Franklin.