Cartoons zum Thema Corona: ausgestorbener T-Rex, weil er sich die Hände nicht waschen konnte und Festung aus Klopapier; Montage: rbbKultur
Bild: Facebook

Miteinander, mehr oder weniger - Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Die Corona-Epidemie und ihre Auswirkungen sind alles andere als witzig. Aber bei Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. machen jede Menge lustiger Video-Clips, Fotomontagen oder Corona-Reime die Runde. In solch einer Krise lachen? Ja bitte, meint Gudrun Reuschel – wenigstens dreimal täglich.

In einem kurzen Video tanzt ein athletischer junger Mann mit nacktem Oberkörper und Waschbrettbauch hüftschwingend zu Salsa-Klängen. Dann wird eine Tafel eingeblendet mit den Worten: "Nach der Quarantäne" – und im gleichen Outfit zur gleichen Musik tanzt ein Mann mit großem kugelrundem Bauch.

Als eine Freundin mir das schickte, musste ich herzhaft lachen. Auch, weil ich mich ein bisschen ertappt fühlte … Immer nur zuhause hocken, im Homeoffice, dazu der fehlende Sport, wie mein geliebtes Tangotanzen – da dachte ich mir auch schon: Wenn das jetzt ewig so geht, bin ich am Ende dick und rund und völlig verspannt.

Neue Sportarten für zuhause
Das ist natürlich übertrieben, aber manche Witze basieren eben auf der Übertreibung des berühmten Körnchens Wahrheit. Und so gibt es in den Sozialen Medien unzählige Video-Clips, in denen meist Männer zeigen, wie sie zuhause ihren Bewegungsdrang ausleben. Einer schüttet Öl und Wasser auf seinen Küchen-Fußboden, hält sich am Schrank fest und bewegt sich dann barfuß auf dieser glitschigen Mischung wie auf einem Fitness-Laufband …

Viele Gründe für platzende Kragen
Humor als ein Ventil für das, was uns beschäftigt. Oder, wie Ringelnatz es ausdrückte: Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Und es gibt gerade viele Gründe für platzende Kragen, für heftige Abwehrreaktionen: Die Krankheit selbst, die aufreibende Arbeit in bestimmten Bereichen oder Existenzängste. Vielen Menschen ist nicht zum Lachen zumute. Sie brauchen Unterstützung, Dank und Mitgefühl – und davon gibt es zum Glück auch viel in den Sozialen Medien.

Lachen über geschlossene Grenzen hinweg
Dass von Millionen Betroffenen weltweit manche aus ihren Gefühlen kreative und lustige Videos und Fotomontagen machen, ist wunderbar, schafft Verbindung und auch ein bisschen Erleichterung im gemeinsamen Lachen.

Ein Schweizer Bekannter schickte mir ein Bild von einem aus Toilettenpapier errichteten Bau, bei dem durch ein kleines Loch zwei große Augen schauen. Als Überschrift: "Die deutsche Festung gegen das Virus." Ich schickte es einer Freundin in London weiter, die zurückschrieb: Was ist das nur mit dem Toilettenpapier, bei uns die gleiche verrückte Situation! Die Grenzen mögen dicht sein, doch wir lachen grenzüberschreitend über unsere kleineren oder größeren Schwächen. Übrigens horten auch die Schweizer, Österreicher und Polen Toilettenpapier!

Der US-amerikanische Sänger Neil Diamond hat jüngst seinen Klassiker "Sweet Caroline" von 1969 umgetextet und auf Twitter veröffentlicht – und nun geht es in der Schnulze nicht mehr um Hände, die sich berühren, sondern um Hände, die gewaschen werden ... Das Video wurde schon fünf Millionen mal aufgerufen. Es macht das viele Händewaschen ein bisschen leichter.

Hoffen auf die große Zeit der Abschiedsvideos
Von Woche zu Woche wächst allerdings der Wunsch, dass all diese lustigen Inhalte ihre Grundlage verlieren – und wir mit der Entwicklung von Impfstoff oder Medikamenten das Virus verabschieden können. Auch dafür gibt es schon erste Internetvideos, in denen frei nach einem italienischen Klassiker gesungen wird: "Corona ciao, Corona ciao, Corona ciao, ciao, ciao".

Gudrun Reuschel, rbbKultur

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