Blick aus dem Flugzeug © André Bochow
Bild: André Bochow

Miteinander, mehr oder weniger - "Und was machen wir dann?"

Viele sagen, dass die Welt nach der Corona-Krise nicht mehr die gleiche sein wird. Politisch, ökologisch, gesellschaftlich und zwischenmenschlich. Ob das gut oder schlecht ist, weiß noch keiner. Lernen wir aus unseren Erkenntnissen? Holen wir nach, was wir wirklich oder vermeintlich verpasst haben? Vergessen wir den ganzen Schlamassel? Eine Kolumne von André Bochow.

Der brave Soldat Schwejk hatte klare Vorstellungen von der Zeit nach der Katastrophe. Um 6 nach dem Krieg im Kelch. Der Kelch ist eine Kneipe in Prag, der Krieg war der erste Weltkrieg und Schwejk ist Welt-Literatur. Folglich könnten wir aus dem Hasek-Werk etwas lernen. Nur was? Nach dem Ende der Ausgang-Umgangs-Kontakt-Sperre ab in den Prater an der Berliner Kastanienallee? Aber Corona ist kein Weltkrieg und unter uns gesprochen: So richtig schön war es im Prenzlauer Berg Prater zuletzt auch nicht mehr. Jedenfalls ist es an der Zeit, mal darüber nachzudenken, was wir nach dieser Pandemie am liebsten tun würden. Nachdenken darf man doch jetzt nach Ostern. Oder?

Entschleunigung als Chance 

Also ab in die Kneipen, wenn die wieder öffnen? Na, ich weiß nicht. Trinken wir nicht jetzt schon ein bisschen viel? Grillen im Park? Aber hieße das nicht, Corona überstanden zu haben, um dann an Feinstaub zugrunde zu gehen? Ich fürchte, wir werden schnell lernen, dass das Leben nach der Pandemie nicht so völlig anders ist als vor ihr. Auch wenn jetzt viel davon die Rede ist, dass wir die erzwungene Entschleunigung als Chance begreifen sollten, werden wir weiter Geld für die Miete verdienen müssen. Möglicherweise unter erschwerten Bedingungen. Manche werden sich gezwungenermaßen als erstes einen neuen Job suchen.

Innehalten tut gut
Gut, wir haben gelernt, mit Einschränkungen durch den Tag zu kommen. Es geht auch ohne Hektik, ohne ständiges Einkaufen und ohne die Angst irgendein Event zu verpassen. Es ist auch nicht so schlimm, wenn wir nicht im Kreuzfahrtschiff die Weltmeere durchpflügen oder in Kerosinschleudern um den Erdball jetten. Mal Innehalten tut uns gut.
Um dann alles nachzuholen, was uns jetzt nicht möglich ist. Denn genau das wird passieren. Wer es sich noch leisten kann, wird reisen, shoppen und Hektik jeglicher Art verbreiten. Und zwar mit gutem Gewissen. Schließlich hat man sich ja so lange zurückhalten müssen. Beschränkt wird vieles allerdings durch Geldmangel. Davon dürften dann ausgerechnet jene Urlaubsorte in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein profitieren, die uns derzeit aussperren.

Klar, wir könnten tatsächlich neu anfangen. Ökologisch, nachhaltig, zukunftsorientiert. Werden wir aber nicht. Die meisten wollen ihr altes Leben zurück. Und das bekommen sie auch. Also was soll’s. Wir sehen uns um 6 nach der Pandemie im Prater.

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