Matthias Sauerbruch © dpa/Mirco Toniolo/ROPI
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Die rbb Kulturgespräche - Matthias Sauerbruch: "Ein ungeheurer Schub."

Mit einem der wichtigsten Vertreter des nahhaltigen Bauens, dem Architekt Matthias Sauerbruch, vom Architektenbüro Sauerbruch Hutton, sprachen wir über die gesellschaftspolitischen Folgen der Corona-Krise, die Auswirkungen des neuen Arbeitens und über Zukunft oder Ende des Immobilienbooms.

rbbKultur: Herr Sauerbruch, wo erwischen wir Sie denn? Im Homeoffice oder gehen Sie noch ins Büro?

Sauerbruch: Ich bin seit fünf Wochen überwiegend im Homeoffice. Ich habe es nicht weit zum Büro, insofern ist es leicht da mal schnell rüber zu gehen. Nur zehn Prozent meiner Belegschaft arbeitet zurzeit im Büro.

rbbKultur: Sind das die Auswirkungen des neuen Arbeitens auf Ihr Architekturbüro durch die Beschränkungen, oder gibt es noch mehr Veränderungen?

Sauerbruch: Das ist der größte, einschneidendste Aspekt. Das ist wirklich unglaublich, wie sich die Situation verändert hat. Ich meine, wir reden seit zehn Jahren ja schon über Homeoffice, und digitale Kommunikation. Digitale Arbeitsmethoden haben in den letzten Wochen einen unglaublichen Schub erlebt, insofern als eben nicht nur wir oder einzelne, sondern alle mit denen wir zu tun haben, vor demselben Problem stehen und gezwungen sind, sich an Videokonferenzen und ähnlichen Methoden zu bedienen.

rbbKultur: Wie geht es denn den jüngeren Kollegen und Kolleginnen? Haben die große Not im Moment in der Architekturszene?

Sauerbruch: Das ist im Augenblick noch nicht so richtig abzuschätzen. Architektur ist eine längerfristige Angelegenheit. Die Projekte können natürlich spontan abgebrochen werden, aber das ist nicht der Normalfall. Meistens finden diese über längere Zeiträume statt. Kleinere Büros, die vielleicht nur wenige Projekte haben, herrscht vielleicht größere Not, wenn diese wegbrechen. Für uns wird die wirkliche Krise erst im Sommer oder Herbst eintreten, wenn die Aufträge abgearbeitet sind, an denen wir im Augenblick arbeiten.

rbbKultur: Im Moment sind wir mehr denn je auf die häuslichen vier Wände beschränkt, manche auf sehr wenige Wände. Da rückt ja auch der Zuschnitt auf Wohnraum in den Vordergrund. Wie wir wohnen, wie dicht die Städte gestaltet sind, ist das ein Thema, das unter Architekten diskutiert wird?

Sauerbruch: Das ist ein Riesenthema. Es ist ja de facto so, dass wir im Augenblick denken, oder gedacht haben, dichte Städte zu gestalten. Das ist aus klimatechnischen und ökologischen Gründen sehr wünschenswert, aber das ist auch die große Qualität der Stadt, dass man andere Menschen dicht erlebt, dass man Angebote hat, dass man auf die Straße tritt und in einer belebten Welt ist. Das ist ja im Augenblick alles verboten und anscheinend schädlich. Das ist die große Frage, ob sich das bleibend verändern wird. Ich glaube, die Arbeit wird sich auf alle Fälle verändern und auch die digitalen Methoden bleiben uns erhalten. Aber ich habe auch gleichzeitig das Gefühl, dass die Sehnsucht nach der sozialen Dichte und nach dem Austausch größer ist als das Covid-19.

rbbKultur: Es gab in den letzten Jahren einen umgeheuren Immobilien Boom. Es wurde ja ungeheuer viel gebaut. Das könnte jetzt erstmal passe sein. Für Architekten war das sicher eine gute Zeit, aber war das auch eine gut für die Architektur?

Sauerbruch: Die Frage ist vollkommen berechtigt. Das ist eine sehr zweischneidige Angelegenheit. Ich glaube, für die Architektur ist es keine schlechte Sache, wenn die Dynamik nachlässt und noch ein bisschen mehr gedacht wird, bevor man baut. Aber inwiefern dieser Immobilienboom wirklich ein Ende erreicht hat, das hängt auch stark davon ab, wie sich die restliche Wirtschaft entwickeln wird. Immobilien waren deswegen so attraktiv, weil eben alle anderen Investitionsmöglichkeiten so risikoreich oder so unergiebig waren, dass sehr viele ausschließlich nur noch in Immobilien investiert haben. Das hat der Architektur nicht gutgetan. Insofern fliegen auch da im Augenblick alle auf Sicht und keiner weiß so richtig, wo es langgeht. Aber es ist sicher klar, dass Bauherren im Augenblick auch zögern und sagen, gucken wir mal, wie sich der Markt entwickelt.

Das Gespräch führte Anja Herzog

Die rbb Kulturgespräche

Margarethe von Trotta; © dpa/Kai-Uwe Heinrich/Tagesspiegel
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Die rbb Kulturgespräche - Margarethe von Trotta: "Es gibt zu wenig europäische Solidarität"

Kurz bevor die Grenzen wegen Corona geschlossen wurden, holte ihr Sohn sie noch schnell von Paris nach München. Wir sprechen mit einer der ersten Filmemacherinnen des Landes und politisch engagierten Künstlerin, Margarethe von Trotta (“Rosenstraße“, “Hannah Arendt“), über die Folgen der Corona Krise für Europa, für unsere Gesellschaft und an welche weiblichen Vorbilder man sich halten kann.

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rbb Kulturgespräche mit Harald Welzer (© Gregor Baron), Jeanine Meerapfel, Jutta Allmendinger (© ), Inka Löwendorf (© Carsten Kampf), Jürgen Flimm (© Carsten Kampf), Ulrich Matthes (© Carsten Kampf), Ilija Trojanow (©), Bénedicte Savoy (© ) und Andreas Dresen (© ); Montage: rbbKultur
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Der rbb macht's - Die rbb Kulturgespräche

Was sind die gesellschaftspolitischen Folgen der Corona-Krise? Und welche Verantwortung kann hier die Kultur übernehmen?

Wir sprechen mit Mitgliedern der Akademie der Künste, mit Künstler*innen, Filmschaffenden, Schriftsteller*innen, Wissenschaftler*innen, die unter ganz eigenen Blickwinkeln Antworten finden.