Altbundeskanzler Schröder sitzt mit seinem früheren Regierungssprecher Bela Anda bei der Aufzeichnung seines Podcasts © ---/a-b-c-communications/dpa
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Eine Glosse von Michael Meyer - Meine Agenda - Gerhard Schröders Podcast

Politiker, die aus dem aktiven Geschäft ausgestiegen sind, verdingen sich oft damit, Reden zu halten, Lobbyarbeit zu betreiben – oder aber in den Medien aufzutauchen. Altkanzler Gerhard Schröder tut gleich alle drei Dinge: Seit dieser Woche hat er einen eigenen Podcast namens "Agenda". Befragt wird Schröder von seinem ehemaligen Regierungssprecher Bela Anda.  Michael Meyer hat in den neuen Podcast reingehört.

Der Name des neuen Podcasts ist natürlich eine Anspielung, man könnte es auch eine Frechheit nennen, denn die "Agenda 2010" gilt in Schröders Partei noch immer als kritischer Punkt in der langen Geschichte der Partei. Doch Schröders eigene "Agenda" ist, zumindest in der ersten Folge noch nicht so recht erkennbar. Bela Anda stellt, wie kaum anders zu erwarten, eine halbe Stunde lang äußerst freundliche Fragen zur Corona-Krise, das Ganze wirkt ein wenig wie eine Audio-Audienz am Hofe des Königs. Nur dass der König nicht mehr im Amt ist.

Schröders Leben, ansonsten geprägt durch viele Reisen nach Moskau, Zürich, Seoul und andere Städte, ist in den letzten Wochen, wie bei anderen Menschen auch, zum Stillstand gekommen. Schröder zu Hause in der Heimat Hannover sozusagen. Der Ex-Kanzler, erzählt, er habe schon frühzeitig Maske getragen: "Ja gut, das hat natürlich zu tun mit meiner Frau: Für die Koreaner und Koreanerinnen ist das völlig selbstverständlich, sie haben dort ein koreanisches Wort, das ich jetzt nicht zitieren kann, das heißt: Tu dem anderen nichts weh… deswegen haben wir frühzeitig gesagt, …., ok, dann machen wir das so."

Was den politischen Umgang mit der Corona-Krise angeht, ist Schröder in einem Zen-artigen Zustand der Zufriedenheit: Er kann kaum etwas aussetzen an der derzeitigen Politik der Eindämmung des Virus: "Ich muss sagen, Deutschland hat, und das ist auch das Verdienst der Bundesregierung, warum sollte man das verschweigen, das besser gemacht als die meisten anderen. Und das zeigt im Übrigen auch, dass das Gesundheitssystem in Deutschland, teuer ohne Frage, …, weit besser ist, als die Kritik rational war. Und deswegen denke ich: Das war aushaltbar."

Mit Unverständnis reagiert Schröder auf die "Hygiene-Demonstranten". Die Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt von Schröder dagegen insgesamt gute Noten: "Warum sollte ich das nicht zugestehen? Auch die Bundeskanzlerin, kann man doch nicht bestreiten, hat einen guten Job gemacht, dass sie dann gelegentlich gegenüber den Ministerpräsidenten versucht hat zu einem 'Basta' zu greifen, das konnte nicht funktionieren." 



Hier und da ist Schröder weniger versöhnlich und teilt dann doch mal aus, etwa wenn es gegen den ukrainischen Botschafter geht: Der hatte den Ex-Kanzler mal als "Top-Lobbyisten" des russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnet. Schröder nennt ihn im Gegenzug "Zwerg". Da ist wohl ein empfindlicher Nerv getroffen.

Insgesamt wirkt das Gespräch doch recht mühsam, was auch daran liegt, dass Schröder kaum Neues zum Aktuellen Geschehen beitragen kann. Doch wozu überhaupt ein solcher Podcast, mag man fragen: Das hat wohl mit der Rolle als Welterklärer zu tun, in der sich Ex-Politiker gerne sehen, auch Ex-Außenminister Joschka Fischer gehört in diese Kategorie. Wer Schröder mag, wird ihn in seiner staatsmännischen Art auch hier mögen, wer ihn nicht mag, wird auch durch diesen Podcast nicht zum Schröder-Fan.

Spannender als in der ersten Folge dürfte es werden, wenn Schröder über Russland oder China spricht – immerhin ist ja bekannt, dass er eng verbandelt ist mit der russischen Energiewirtschaft und in mehreren Aufsichtsräten sitzt.

Wer übrigens lieber einen anderen Politiker als Podcaster erleben will, sollte reinhören in den Podcast von Christian Lindner namens "Ein Thema, Zwei Farben": Bereits seit November 2018 unterhält sich der FDP-Politiker im Bundestag mit interessanten Gästen, etwa der Umweltaktivistin Luisa Neubauer. Diese Gespräche sind zumindest weniger erwartbar und auch weniger selbstgefällig.

Michael Meyer über den neuen Podcast "Agenda" mit Gerhard Schröder. Jeden Dienstag gibt es eine neue Folge, zu hören auf den bekannten Plattformen.